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Do it yourself oder: Warum es in Deutschland keine Arbeitslosigkeit gibt

© iStock: CamiloTorres

 

Es gibt positive Nachrichten in unserer Republik: Deutschland hat sich der Arbeitslosigkeit entledigt. Ja, richtig gehört!
Man muss nur genau genug hinsehen. Wie es zur frohen Botschaft kommt, lesen Sie hier…

Es ist einfach unsere Mentalität. Wir nörgeln, meckern und schimpfen was das Zeug hält. Besonders gut, können wir Deutschen über unsere Arbeit meckern: Termine, Stress, Hektik. Und zum Büro muss man sogar die Treppe nehmen. Alles muss man selber machen. Können wir aber einen Centbetrag sparen, wendet sich das Blatt. Nehmen wir als Beispiel die Selbstbedienungsbäckereien. Weil man sein Brötchen hier selbst einpacken muss, bekommt man es ein paar Cent günstiger – und so was lieben wir.

Deutschland tütet ein

Wir tüten ein. Wir sparen. Wir tüten ein. Wir sparen. Mit jeder Bretzel, die wir in die Tüte stecken, werden ein paar Cent gespart. Übers Jahr sind das ganz viele Cent. Leuchtet ja auch ein. In den „Do it yourself“-Bäckereien übernehmen wir schließlich den Job der Bäckereifachverkäufer. Die wären sonst ja hoch bezahlt. Eine goldene Nase würden sie sich verdienen. Nein, nein! Da packen wir für ein paar kupferfarbene Münzen lieber selbst ein, wo wir Deutschen doch sowieso finanziell am Hungertuch nagen. Wir wühlen mit Zangen in Brötchenbehältern. Hinter uns wird gedrängelt, weil jeder mal will. Und wir bessern dabei sogar noch unser Taschengeld auf. Stress? Burnout? Keine Spur! Wir packen gerne an, wenn das Croissant nur 1,20 Euro kostet, statt einem Wucherpreis von 1,35 Euro – Wir sind ja schließlich nicht blöd.

Das gleiche Phänomen kann man übrigens auch an den Kassen einiger Möbelhäuser und Discount Supermärkte beobachten. An den sogenannten Express-Kassen. Auch hier treten wir in die Fußstapfen der Verkäufer. Wir ziehen Getränkekisten über den Scanner. Wir manövrieren Regale über den Codeleser. Wir ziehen 15 Joghurtbecher einzeln über die Kasse. Und das ungewohnt selig. Das Piepen der Express-Kassen wird zu Musik in unseren Ohren. Immerhin sparen wir hier. Nicht nur Geld, sondern sogar Zeit – es heißt ja schließlich Express.

Danke, Selbstbedienung!

 

 

Der Boom der Selbstbedienungsgeschäfte hat uns damit zwei große Gefallen erwiesen: Erstens, wir Deutschen sind zufrieden. Denn wir haben endlich den Beruf gefunden, der uns mit Glückseligkeit erfüllt: Kassierer oder Bäckereifachverkäufer. Kein Wort des Missfallens kommt aus den sonst so mürrischen Mündern Deutschlands, solange wir eintüten dürfen. Was uns aber noch viel mehr Freude bereiten sollte, ist der zweite Effekt der Self-Service-Märkte: Gewissermaßen gibt es dank ihnen keine Arbeitslosen mehr. Denn, wenn auch nur kurzfristig oder auf dem Weg zur Arbeit – Wir alle sind als Verkäufer in den Bäckereien, Möbelhäusern und Discountern beschäftigt. Ja, sogar die entlassenen Bäckereifachverkäufer und Kassierer! In der Republik tut sich halt was und das ganz ohne die Hilfe von Arbeitsmarktprogrammen – Immer muss man alles selber machen.

4 Antworten zu “Do it yourself oder: Warum es in Deutschland keine Arbeitslosigkeit gibt”

  1. Wow, guter Artikel. Die Meinung teile ich voll und ganz! Ich gehe aus Überzeugung nicht an diese „Self service“ / „Express“ Kassen. Wer soll denn demnächst noch Brötchen oder Möbel kaufen, wenn wir die ganzen Kassierer ersetzen?!

  2. Ein schöner Artikel. Ich habe aber eine zweideutige Haltung zur Selbstbedienung. Einerseits spart es wirklich Zeit und Geld, andererseits drängt Selfservice einige Berufe aus.

  3. Das ist die Zweischneidigkeit unserer Sparleidenschaft. Mich macht sowas nachdenklich. Wie oft tun wir Dinge, ohne uns klar zu machen, welche Konsequenzen das hat?

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