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Durch bewusste Umfeldgestaltung zu mehr Selbstführung

© iStock: caracterdesign

 

Das Umfeld einer Person ist eine wichtige Komponente für die Entfaltung der Selbstführungskompetenz. Erwartungsdruck und Anforderungen, die von außen auf eine Person einwirken, führen oft dazu, dass sie nur noch auf Zuruf von außen reagiert und versucht, den Anforderungen gerecht zu werden. Dabei geht oft verloren, was die Person selbst eigentlich kann oder möchte.

Wie ein starkes Umfeld auf eine Person wirkt:

In einem starken Umfeld, in dem alles in hohem Maße strukturiert und reglementiert ist, wird der Mensch äußeren Erwartungen und situativen Zwängen ausgesetzt. So entstehen wenig individuelle Entfaltungsmöglichkeiten. Oft gehören zu solchen starken Situationen z. B. die Arbeitstätigkeiten in stark funktionsteilig und hierarchisch aufgebauten Organisationen wie Behörden oder Produktionsbetrieben. Auch flexibler strukturierte Organisationen können ein starkes Umfeld besitzen, wenn Projekte und Arbeitsaufträge z. B. unter großem Zeitdruck erledigt werden müssen.

Wie ein schwaches Umfeld auf eine Person wirkt:
Ein schwaches Umfeld erscheint offen und unreglementiert. Äußere Vorgaben und Zwänge sind gering, Erwartungen sind weniger explizit oder verbindlich. All dies bietet mehr Optionen für einzelne Personen, selbst aktiv und entsprechend eigener Vorstellungen auf Umfeldbedingungen einzuwirken. Je weniger vorstrukturiert der Weg ist, desto leichter entfalten sich die Personen. Zu solchen eher schwach reglementierten Situationen im beruflichen Alltag zählen z. B. der kommunikative Umgang mit Kunden oder die zwischenmenschliche Art der kollegialen Zusammenarbeit.

Es ist für erfolgreiche Selbstführung wichtig selbst herauszufinden, in welchen Rahmenbedingungen es für einen selbst am einfachsten ist, viel zu bewirken. Der Mensch benötigt bestimmte Bedingungen, an denen er seine eigenen Anstrengungen ausrichten kann.  Dazu muss es möglich sein, die eigenen Ziele im Rahmen der Gesamtleistung des Unternehmens erfolgreich und konfliktfrei zu erreichen.
Proaktiv am eigenen Umfeld etwas zu verändern ist eine der Methoden der Umfeldgestaltung. Personen verändern absichtsvoll bestimmte Merkmale ihres unmittelbaren Arbeitsumfelds, damit Situationen, in denen sie gewöhnlich tätig sind, besser zu ihnen und ihren Vorstellungen passen. Die proaktive Umfeldgestaltung ist besonders hilfreich für die Selbstführung, weil die Personen ihr Betätigungsumfeld nicht verlassen, sondern versuchen, diesem einen persönlichen Stempel aufzudrücken. Diese Methode wird oft bei der Betriebsübernahme praktiziert. Ein Beispiel:

Proaktive Umfeldbeeinflussung  (aus dem Buch: Müller G. F.: Selbstführung. 2009, Seite 91)
Dass diese Strategie nicht nur klare Zielvorstellungen und konsequentes Handeln, sondern auch Überzeugungskraft erfordert, zeigt das Beispiel einer Betriebsübernahme durch den Sohn des Unternehmensgründers, der sich psychologisch beraten ließ, um seine neue Rolle schneller finden und effektiver ausgestalten zu können. Der Jungunternehmer hatte klare Vorstellungen über Veränderungen, die er bei der Kundenbetreuung, internen Ablauforganisation und Marktpositionierung des Unternehmens realisieren wollte. Dabei musste er sich mit seinen Vorstellungen gegen Widerstände einiger Führungskräfte durchsetzen, die noch sehr stark auf den Unternehmensgründer fixiert waren. Dies gelang ihm, indem er mehrfach über Vorzüge der von ihm geplanten Veränderungen informierte und auf vorteilhafte Konsequenzen für alle Beschäftigten des Unternehmens hinwies. Als er deutlich machte, dass sich durch die von ihm geplanten Veränderungen auch die Arbeitsbedingungen der Führungskräfte verbessern, gelang es ihm schließlich, die Widerstände zu überwinden und eine umfassende Unterstützung seiner Pläne zu erreichen.

5 Tipps für eine umfeldbedingte Selbstführung

  1. Es ist wichtig, möglichst aktiv nach einem sozialen Umfeld zu suchen, das die Person bei dem, was sie tut, unterstützt. Wenn eine Person weiß, dass es Menschen gibt, die sie wohlwollend in ihrem Tun unterstützen, bekräftigt dies die Person in ihrem Veränderungsprozess. Es steigert die Selbstkompetenz und die Überzeugung darin, mit den eigenen Anstrengungen tatsächlich Erfolg erzielen zu können.
  2. Wenn Menschen stark in die gemeinsamen Zielvereinbarungen, Planungs- und Entscheidungsprozesse des Arbeitsumfeldes mit einbezogen sind, trägt dies dazu bei, dass ihre Selbstführungs-Bemühungen mit Erfolg gekrönt sind. Diese werden dann selbst in schwierigen Zeiten durchgehalten.
  3. Eigenverantwortliches Denken und Handeln ist nur dann möglich, wenn die Personen sich als Bestandteil ihrer Organisation wahrnehmen und wenn dort eine hinreichend entwickelte Selbstführungskultur herrscht, die mit den eigenen inneren Zielen und Maßstäben konform geht.
  4. Die Umfeldbedingungen sollten die Personen in die Lage versetzen, sich weiterzuentwickeln. Dabei ist Folgendes zu beachten: Je mehr Beschränkungen die Personen von außen wahrnehmen und erleben, umso mehr müssen sie von ihrem eigenen Können überzeugt sein, um die gleiche Leistung zu erbringen. Nur wenn das gegeben ist, haben sie das Gefühl, Kontrolle über die Situation zu haben. Je höher der Grad der wahrgenommenen Situationskontrolle, desto sicherer und zuversichtlicher agieren sie.
  5. Menschen in einem starken Umfeld sollten lernen, schwierige Situationen neu zu bewerten. Wenn sie eine Situation als nur wenig durch sie selbst kontrollierbar wahrnehmen, so erscheinen die Beschränkungen von außen als zu intensiv. Dies beeinträchtigt das Selbstwertgefühl, führt zur Senkung des eigenen Kompetenzgefühls und anschließend zur Resignation.

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