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Jeden Tag keine gute Tat

© iStock: winhorse

 

Es gibt Kleinigkeiten in unserem Alltag, die niemand erledigen möchte. Zumindest nicht jetzt im Augenblick. Lieber später. Um diesem Dilemma ein Ende zu bereiten, startete ich einen Selbstversuch: Ich erledigte besagte Dinge sofort. Wie es mir dabei erging, lesen Sie hier…

Neulich beobachtete ich meinen Mitbewohner. Er schaute gerade Fernsehen: Werbung. „Solange schalte ich um“, nuschelte er und drückte auf die Fernbedienung. Nichts geschah. Erneut drückte er die Taste, dieses Mal stärker. Wieder gab es keine Regung auf dem Bildschirm. Er packte die Fernbedienung mit beiden Händen und klopfte ungeduldig auf den Tasten herum. Vergeblich. Ein ganz klares Zeichen: Die Batterien waren leer. Mein Mitbewohner ärgerte sich. „Die hätte auch mal jemand wechseln können!“, kläffte er in den Raum. Niemand regte sich. Er bewegte sich ebenfalls keinen Zentimeter. Stattdessen schauten wir den restlichen Abend einen Sender, inklusive Werbung.

Ich verbessere die Welt

Diese Situation beschäftigte mich. Was, wenn jeder so handeln würde? Wo kommen wir da hin? Wir würden alle nur noch einen Sender schauen, die Werbung hätte in unseren Gedanken freien Lauf. Wir hätten nur noch ein Weltbild, nämlich das dieses einen Senders. Zu völlig gedankenkontrollierten Wesen der Marketingabteilungen verschiedenster Unternehmen würden wir mutieren! Nach dieser Erkenntnis fasste ich mir ein Herz. So nicht. Wenn sonst keiner die Dringlichkeit dieser Situation bemerkt, muss ich eben handeln. „Jeden Tag eine gute Tat“, heißt es schließlich.

Gleich am nächsten Morgen schlenderte ich zum Supermarkt. Ich kaufte Batterien und tauschte sie gleich darauf aus. Leider war keiner meiner Mitbewohner zu Hause, der meine Rettungsaktion hätte sehen können. Deshalb zelebrierte ich mich eben selbst. „Schaut alle her! Jaaa, ich tausche die Batterien für unseren Fernseher aus.“, sagte ich beschwingt. „Ach, das war doch nichts!“, „Nicht der Rede Wert, Freunde.“, „Dafür muss man mir nicht danken!“, „Nein, bitte keine Blumen!“, übte ich meine bescheidenen Worte für den Abend. Die würde ich schließlich brauchen, wenn meine Mitbewohner aus ihrer Dankesschuld nicht mehr heraus kommen würden.

Der große Trommelwirbel

Der Abend war gekommen. Mein besagter Mitbewohner ließ sich vor dem Fernseher nieder und griff zur Fernbedienung. Sie funktionierte. Ich glühte vor Aufregung. Und da passierte das Unglaubliche. Es passierte etwas, das ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte ausdenken können: Es passierte nichts. Ich meine GAR NICHTS. Mein Mitbewohner starrte einfach zufrieden in die Glotze. Kein Wort des Dankes, der Anerkennung oder wenigstens der Freude über die funktionierende Fernbedienung kam aus seinem, mit Chips überfülltem, Mund.

„Da tue ich etwas Gutes und keiner merkt’s.“, dachte ich. Als Belohnung musste ich den ganzen Abend irgendeinen dieser Science-Fiction-Streifen mit Robotern und Laserschwertern schauen, inklusive Werbung. Mein Mitbewohner hatte die Fernbedienung für sich reserviert.

Eine Antwort zu “Jeden Tag keine gute Tat”

  1. Du hast trotzdem was gutes getan. Auch wenns keiner deiner Mitbewohner gemerkt hat. Allein das gute Bauchgefühl muss dir an dieser Stelle reichen und wer weiß, vielleicht kriegen sie ja beim nächsten Mal mit, was für tolle Dinge du für sie machst 😉

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