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Weltbuchtag – oder: das Geheimnis um den Platz

Weltbuchtag – Oder: Das Geheimnis um den Platz
© iStock: Maartje van Caspel

 

Der 23. April ist der Welttag des Buches. Das hat die UNESCO 1995 beschlossen. Und sie meinte damit das schöne, gebundene Papier – nicht irgendwelche E-Books. Ich meine, ich greife auch gerne ab und zu auf den handlichen Reader zurück. Keine Frage, im Urlaub oder unterwegs ist das wirklich praktisch. Und trotzdem bin ich ein Papiermensch. Denn wenn mich ein Buch wirklich begeistert und der Einband dazu noch etwas her macht, gibt es doch nichts Schöneres, als das Werk in die eigene Sammlung zu stellen. Mit E-Books funktioniert das aber nicht. Man kann zwar seine virtuelle Bibliothek verwalten, letztendlich ist diese Büchersammlung aber nur ein Haufen wilder Zahlen in einem Programm. Man möge mich jetzt verstaubt, steinzeitmäßig oder antik nennen. Aber mit einem Buch oder gar einer Literatursammlung hat das wenig zu tun – Sorry, liebe Bildschirm-Leser.

Ich weiß. Alle E-Book-Verfechter und Papier-Verächter werden im letzten Absatz die Augen verdreht haben. Und wie immer – wenn das Thema E-Books zur Sprache kommt – wird das angebliche Totschlagargument „Platz“ in deren Köpfen wie ein Las-Vegas-Leuchtschild wild aufgeblinkt haben. Es spare ja so unheimlich viel Platz, wenn man echte Bücher aus echtem Papier nicht mehr in echten Regalen verstauen müsse! An dieser Stelle frage ich mich immer: Was stellen die Leute denn dann in das ehemalige Bücherregal? Was machen die alle mit dem neu gewonnen Platz?

Ich habe einmal nachgeforscht, was die E-Book-Jünger mit ihrem neuen Stauraum anfangen. Entweder wurde der Platz, an dem einst eine kleine schöne Bibliothek stand, durch einen neueren, größeren HD-Fernseher ersetzt. Dazu natürlich die neue Spielekonsole und der Blue-Ray-Player. In anderen Fällen wurde das nun leere Bücherregal mit anderen, aber unheimlich wichtigen Dingen vollgestopft. Da wären zum Beispiel diese neue Deko-Schale, die angesammelten Mitbringsel aus sämtlichen Urlauben oder die zwei Jahre alten Stapel mit der Aufschrift „zu erledigen“. Manchmal verschwand das Bücherregal auch einfach ganz. Stattdessen wurden Sofa, Tisch und Stehlampe einfach etwas weiter auseinander gerückt – Ist ja gerade modern, alles möglichst nüchtern und geradlinig zu halten. Der kleine E-Book-Reader wurde dabei heuchlerisch auf der Sessel-Lehne in Szene gesetzt.

Deshalb, liebe E-Book-Verfechter: Überdenkt euer Argument mit dem Platz doch noch einmal und kauft zur Feier des Weltbuchtags mal wieder ein echtes Buch in einem echten Buchhandel. Oder vielleicht auch zwei oder drei – Ich bin sicher, ihr findet ein Plätzchen.

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