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Wir können alles – außer Urlaub

Stress, Burnout und Überforderung sind in aller Munde. Da müsste doch die Urlaubszeit eine Zeit zum Auftanken, Erholen und letztlich auch zur Stress-Prävention sein. Angesichts ständiger Erreichbarkeit ist das gar nicht so leicht.

Entspannung ist so eine Sache. Man will ja. Wochen vorher werden Kataloge gewälzt, Internetempfehlungen gecheckt und Hotels gegoogelt. Nach mehreren Anrufen bei Stiftung Wartentest, Hotelchecks, Meetings mit dem Vorgesetzten, Einreichung des Urlaubsantrags und Klamottencheck wird endlich gebucht. Perfektionismus lässt grüßen. Die Vertretungsregelung nimmt fast so viel Zeit in Anspruch wie der eigentliche Urlaub und kostet zusätzliche Nerven. So ist man wenigstens richtig urlaubsreif. Doch selbst im Flieger noch die Gedanken: „Hab ich auch den Abwesenheitsassistenten richtig eingestellt? Weiß das Vorstandssekretariat eigentlich, dass ich nicht zu erreichen bin? Und habe ich Kunde X eigentlich geantwortet…??? Am besten nach der Landung gleich mal anrufen.“ Abschalten, wie geht das, wenn um uns herum sämtliche Schalter auf „ON“ stehen, selbst wenn das Büro 1000 Kilometer entfernt ist?

Da kommt mir der Slogan in den Sinn, der neulich am Schaufenster eines Mobilfunkanbieters in der Fußgänger-Zone prangte:
Mehr Online = Mehr frei sein. Perfide, oder? Denn eigentlich bedeutet es das genaue Gegenteil. Der Möglichkeit, zu telefonieren, zu mailen, zu schreiben, zu arbeiten, sind wir mittlerweile 365 Tage im Jahr 24 Stunden ausgesetzt. Die ständige Erreichbarkeit, die Möglichkeit, Dinge zu tun, kann ebenso Unfreiheit bedeuten. Die Möglichkeit, alle Möglichkeiten auf „OFF“ zu schalten, nutzen wir sie?

Fehlanzeige! Eine Studie besagt, dass die Deutschen tatsächlich zunehmend die Fähigkeit zum Abschalten verlernen. Das Ergebnis passt in das Bild, das viele Europäer von den Deutschen haben: Verkniffene Streber, die selbst im Strandurlaub noch die Spaßbremse angezogen haben. 46 Prozent der Menschen in Deutschland sagen, dass es ihnen angesichts von Stress im Alltag und dem Gefühl ständiger Erreichbarkeit immer weniger gelingt, etwas zu genießen. Dabei geben 81 Prozent der Befragten an, dass es ihr Perfektionismus ist, der ihnen im Weg steht. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Perfektionisten brauchen eine Strategie und Absicherung. Und Perfektionisten brauchen Urlaub. Um dem gerecht zu werden, hier eine kleine Liste, wie auch der Perfektionist halbwegs entspannt in den Urlaub fährt:

| Gut vorbereitet ist halb entspannt
Wer seine beruflichen Dinge vorausschauend geregelt hat, braucht weniger darüber nachzudenken, ob alles klappt. Deshalb planen Sie genügend Zeit ein, um ihren Schreibtisch aufzuräumen. Schreiben Sie  eine ausführliche Mail mit allen wichtigen Infos an denjenigen, der Sie während Ihres Urlaubs vertritt.

| Früher an später denken
Eine Liste, was nach dem Urlaub ansteht und welche Projekte noch offen sind, macht den Kopf frei für Urlaubsgedanken.

| Gewohnheitstiere überlisten
Wir sind es gewohnt mehrmals am Tag E-Mails abzurufen oder ins Netz zu gehen. Überlegen Sie sich schon vor dem Urlaub, was Sie stattdessen tun. Lassen Sie Handy und Co. abgeschaltet im Hotel und greifen Sie stattdessen zum Beispiel zum MP3-Player oder zum Buch.

| Zu zweit weniger online
Einigen Sie sich mit dem Mitfahrer vor dem Urlaub darauf, den Laptop zu Hause zu lassen und das Handy in der Regel auszuschalten. Treffen Sie Vereinbarungen darüber, möglichst wenig über den Job zu sprechen.

| Ablenkung durch Aquaskipping
Bei zwei Wochen auf der Sonnenliege kreisen die Gedanken schnell wieder um den Job. Wer schlecht abschalten kann, sollte im Urlaub aktiv sein. Wer etwas Neues lernt, zum Beispiel Tauchen, Segeln oder eine ausgewöhnliche Sportart wie Aquaskipping, ist abgelenkt und erholt sich besser.

| Funkloch ansteuern
Nicht erreichbar zu sein ist schwer. Doch es gibt tatsächlich noch einige wenige Flecken Erde, an denen Sie mit Handy und Laptop nichts anfangen können. Dafür bieten sich hohe Berge, Wüsten, weitläufige Nationalparks oder ein Segeltörn über den Atlantik an. Auch werben einige Hotels schon mit ihrem Offline-Zertifikat – dicke Schallmauern helfen beim Nicht-Erreichbarsein.

Einchecken in der Bäckerei am Eck, WLAN im Strandsessel. Das muss also nicht sein.  Gönnen Sie sich eine echte Auszeit – denn Offline sein heißt frei sein!

Eine Antwort zu “Wir können alles – außer Urlaub”

  1. „Nur Dienstboten müssen ständig erreichbar sein“. (K.Lagerfeld)
    Alles nonsens, was die ständige Erreichbarkeit anbelangt. Wer unterhalb der 2 Wochen Urlaub mit anderen Erlebniswelten bleibt, hat kaum eine Chance, am wirklichen Leben teilzuhaben. Und – es sind nicht die guten Nachrichten, die einen im Urlaub erreichen. Die heimsen andere ein. Ich befürchte allerdings, dass die meisten Urlaubsarbeiter nichts mehr ohne den Rahmen Arbeit mit sich anfangen oder sich zumindest nicht abgrenzen können. Beides ist doch bedenklich für Mesnchen, die meinen, andere Menschen führen zu können…

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