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Last but not least: Oh, du erleuchtete Weihnachtszeit!

© Nicole Effinger/fotolia.com

 

Es ist Anfang Dezember. Lichterketten, Plastik-Weihnachtsmänner, die an Regenrinnen hangeln, LED-Teelichter und blinkende Rentiere kommen zum Vorschein. Das weihnachtliche Wettschmücken beginnt. Und die Weisheit des Philosophen Thomas Hobbes erweist sich als goldrichtig: „Der Mensch aber kennt bei allem, was er besitzt, keine höhere Freude, als dass andere nicht so viel haben.“ – Und zu kaum einer Jahreszeit kann man dieses Verhalten besser beobachten, als in den Wochen vor Weihnachten. Denn dann tritt die Nachbarschaft zum Wettkampf an.

Das weihnachtliche Flutlicht

An der Doppelhaushälfte gegenüber werden die ersten Türkränze angebracht. Tags darauf schwingt bei meinem Nachbarn nebenan bereits ein etwas größerer Kranz an der Tür. Wie ein Domino-Spiel zieht sich dieses Phänomen durch die ganze Straße. Und zwar solange, bis der Letzte einen so großen Kranz hat, dass ein Blick durch den Türspion unmöglich wird. Ganz ähnlich läuft es mit dem Weihnachtsbaum. Der Baum meines Nachbarn ist perfekt. Zumindest, bis die Bewohner der Doppelhaushälfte ihren viel gerader gewachsenen Baum aufrichten. Mein Nachbar mit dem schönen Türkranz schaut verblüfft zu…

Das wortwörtliche Highlight bildet aber die Weihnachtsbeleuchtung. Jeder möchte sein Heim noch heller erleuchten als der Rest der Straße. Einfache Lichterketten? Kerzen? Viel zu einfach! Mein Nachbar kann das viel besser. Bunte und sogar blinkende Lichter bringt er an Fenster, Garage und Hecke an. Währenddessen wird aus der Doppelhaushälfte trotzig abgezählt, wer sich dieses Jahr mehr Lichter leisten kann. Mein Nachbar siegt. Mit zufriedenem Lächeln bringt er das eintausendundzweite Licht an.

Heilig Abend, kurz vor Ladenschluss: Mein Nachbar aus der Doppelhaushälfte erhascht noch eine letzte Lichterkette im Discount-Baumarkt um die Ecke. Mit heimlichem Fluchen und Schimpfen bringt er sie am letzten leeren Fleck des Gebüschs an. Doch mit dem Wissen, dass jetzt – nach Ladenschluss – keiner mehr die Chance hat, sein Lichtermeer zu übertreffen, nimmt er auch diese letzte Strapaze gerne auf sich.

Zufriedenheit ist der größte Reichtum

Als nicht am Wettlauf Beteiligte, staune ich jedes Jahr erneut, wie sich meine Straße für ein paar Wochen in eine glitzernde Atmosphäre verwandelt, die beinahe der von Las Vegas gleichkommt. Was dieser Lichter-Rummel mit Weihnachten zu tun hat, werde ich sowieso nie herausfinden. Ich erwarte hingegen mit Vorfreude meine Weihnachtspost und mache mich auf den Weg zum Briefkasten. Dabei sehe ich meine eifrig schmückenden Nachbarn. „Tolle Deko haben Sie da.“, sage ich und beobachte, wie sich ein wohliges, weihnachtliches Gefühl in ihren Gesichtern breit macht. In diesem Sinne: Eine erleuchtete Weihnachtszeit!

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