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Alles eine Frage des Stils – Interview mit Renate Wittmann

Jedes Seminar ist anders. Das erleben Trainerinnen und Trainer in ihren Standard-Trainings besonders intensiv. Inhalt, Zielrichtung und Aufbau des Seminars sind jedes Mal fast identisch – und doch, das eine Seminar läuft wie am Schnürchen, das andere zieht sich zäh wie Kaugummi. Spannend dabei: Seminarleiter und Seminarteilnehmer empfinden meist ähnlich.

Frau Wittmann, woran liegt es, dass Lehr-Veranstaltungen zum gleichen Thema mit der gleichen Zielgruppe so verschieden sein können?

Die Ursache liegt darin, dass der persönliche Lehrstil des Trainers in jedem Seminar mit einer unterschiedlichen Zusammensetzung an Lernstilen der Teilnehmer konfrontiert ist. Problematisch wird die Situation, wenn Lehrstil und Lernstile nicht miteinander harmonieren.

Wie kann das dann aussehen?

Hat ein Trainierender z.B. einen inspirierenden oder anleitenden Lehrstil, setzt er häufig Gruppenübungen und Spiele ein. Bei Teilnehmern mit analytischem oder reflektierendem Lernstil kommt das gar nicht gut an. Besonders, wenn es gleich nach dem ersten Input in die Übungsphase geht. Diese Teilnehmer bräuchten eigentlich erst einmal Zeit, um den Input zu verarbeiten. Doch die wird ihnen nicht gegeben. Schlimmer, sie werden auch noch einer Situation ausgesetzt, in der sie sich nur überfordert fühlen können. Die Folge ist, dass sie sich zurückziehen und innerlich abschalten. Man hat sie als Lernende verloren.

Wie kann ich als Trainer oder Lehrer so etwas verhindern?

Ziel ist es, den eigenen Lehrstil auf diese Lernstile abstimmen zu können, so dass Wissen optimal kommuniziert werden kann. Letztlich ist es mit dem Wissen eben wie mit jedem anderen Produkt auch: Es muss an die Frau bzw. an den Mann gebracht werden. Und dafür ist in erster Linie der Lehrende verantwortlich. Grundlegend hierfür ist eine Selbstanalyse des derzeitig gelebten Lehrverhaltens. Was für Methoden werden verwendet, wo liegt der Fokus, was bietet der Lehrstil den Lernenden, welche Lernstile werden damit erreicht?

In einem zweitägigen Seminar mit 15 Teilnehmern werde ich aber nicht alle Lernstile genau kennenlernen. Und Zeit werde ich als Trainer auch kaum haben, mich auf sie einzustellen. Was mache ich da?

Das ist auch gar nicht nötig. Als allerersten Schritt sollte man sich bewusst machen, WIE man eigentlich lehrt und sich dann anschauen, welchen Lernstil man mit seinen Methoden vielleicht nicht abholt. Und diese Teilnehmer erkennt man dann auch relativ schnell im Seminar. Sie sind abwesend, unruhig oder stören. Das liegt aber nicht unbedingt daran, dass sie nicht lernen wollen. Sie wissen nur nicht WIE. Und Sie als Ausbilder müssen ihnen das vermitteln.
Die perfekte Methode, die allen Lernstilen in gleicher Form gerecht wird, gibt es sowieso nicht. Wer aber weiß, wie Lernstile lernen, kann seine Lehre mit einem facettenreichen Didaktikboard flexibel genug aufstellen, um für alle Teilnehmer den Erfolg zu sichern.

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Renate Wittmann ist Diplom-Pädagogin und seit 2000 als Leiterin der Entwicklungsabteilung der persolog GmbH in Remchingen für die Weiterentwicklung und die wissenschaftliche Erforschung der persolog Lerninstrumente verantwortlich. Dabei liegt der Fokus auf HR-Tools für Personal- und Organisationsentwicklung. Sie ist außerdem Key-Note-Speakerin und Master-Trainerin für alle persolog® Modelle.

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