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Anti-Stress-Verordnung für gesunde Mitarbeiter?

© iStock: GlobalStock

 

Immer mehr Berufstätige fallen wegen Stress und Burn-out aus. Die IG Metall hat deshalb diese Woche eine „Verordnung zum Schutz vor psychischen Belastungen am Arbeitsplatz“ gefordert.

„Anders als bei Gefahrstoffen, Lärm oder mangelnder Beleuchtung fehlen ausgerechnet bei psychischen Belastungen klare Anforderungen an die Arbeitgeber“, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban bei der Vorstellung des Papiers. „Gute Arbeit braucht klare Regeln“ – das müsse auch beim Schutz vor Gefährdungen durch psychische Belastungen in der Arbeitswelt gelten, der „neuen Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts“. Die Gewerkschaft hat Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) einen Entwurf für eine Anti-Stress-Verordnung vorgelegt, die das Arbeitsschutz-Gesetz ergänzen soll.

Eine deutlich geregelte Trennung von Arbeit und Freizeit gehört zu den Kerninhalten der Anti-Stress-Verordnung. Laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) müssen 60 Prozent der Arbeitnehmer auch in ihrer Freizeit erreichbar sein, 33 Prozent sogar oft oder sehr oft. Die neue Verordnung soll für alle Branchen und Beschäftigtengruppen verbindlich gelten. Der Entwurf der Gewerkschaft sieht unter anderem eine Überprüfung der Arbeitsplätze auf Stressfaktoren vor. Sie formuliert Vorgaben für die Gestaltung der Arbeitsaufgaben, der Arbeitsorganisation, der sozialen Beziehungen, der Arbeitsplatz- und Umgebungsbedingungen und der Arbeitszeit, um Gefährdungen durch psychische Belastungen zu vermindern.

Der Verordnungsentwurf der IG Metall ist nach deren Angaben im Dialog mit Fachwissenschaftlern, betrieblichen Praktikern und Experten verschiedener Aufsichtsbehörden entwickelt worden. Eine Umfrage der Gewerkschaft unter Betriebsräten habe im vergangenen Jahr gezeigt, „wie hoch das Thema Stress in den Betrieben hängt“, sagte Köther.

Dazu passt auch der neueste Gesundheitsbericht der Techniker Krankenkasse: danach fehlen die deutschen Erwerbstätigen immer häufiger im Job. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Fehlzeiten bei den TK-Versicherten insgesamt um gut vier Prozent gestiegen. Jeder Beschäftigte war damit statistisch gesehen einen halben Tag mehr krankgeschrieben als 2010. Damit sind die Fehlzeiten seit 2006 insgesamt um über 20 Prozent gestiegen. Hauptursache ist laut Bericht die mobile Kommunikation. Durch das ständige „erreichbar sein“ könnten viele Werktätige nicht mehr zwischen Arbeit und Freizeit unterscheiden und lebten quasi auf „stand-by“ – mit teilweise schwerwiegenden Folgen.

Die Arbeitgeberverbände halten andere Untersuchungen dagegen. „Studien belegen, dass die Beteiligung am Erwerbsleben mit einer besseren psychischen Gesundheit einhergeht“, sagte ein BDA-Sprecher. Jeder Ansatz, der allein auf das betriebliche Umfeld beschränkt ist, greife zu kurz. „Die Ursachen psychischer Erkrankungen liegen meist außerhalb des beruflichen Umfelds.“

4 Antworten zu “Anti-Stress-Verordnung für gesunde Mitarbeiter?”

  1. Das Thema Stressbelastung ist in keinster Weise zu verniedlichen – im Moment ist aus meiner Sicht keine allumfassende Lösung in Sicht.
    Auch eine Verordnung zur Stressvermeidung erscheint schwer umsetzbar, da die Anforderungen aus der modernen, wettbewerbsfähigen Wirtschaft stresserzeugende Arbeitsweisen teilweise unabdingbar erfordern.
    Andererseits verlangt der Schutz der Gesundheit der Arbeitnehmer und somit ihrer Arbeitskraft und Leistungsfähigkeit (für Unternehmer, Selbständige und Freiberufler gilt im übrigen das Gleiche!), keinen Stress zuzulassen. Nur leistungsfähige und starke Mitarbeiter können Unternehmen am Leben erhalten.
    Nach meiner Meinung gibt es aktuell keinen Königsweg, diesen Widerspruch sanktionell aufzulösen.

  2. Laut einer Online-Befragung ist auch die Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz gestiegen. Auch ein großer Risikofaktor für einen Burnaout: „die Arbeitnehmer schätzen die Chancen auf einen besseren Arbeitsplatz derzeit als so unsicher ein, dass sie trotz ihrer Unzufriedenheit lieber in ihrem sicheren Job bleiben möchten. Nur so ist zu erklären, dass sich zwar 48 Prozent aller Befragten bessere Arbeitsbedingungen wünschen, aber gleichzeitig 57 Prozent nicht vorhaben sich einen neuen Job zu suchen“.
    Quelle: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/deutsche-mit-arbeitsplatz-immer-unzufriedener/

  3. Sportler befinden sich in einer sogenannten Zone, wenn sie Höchstleistungen erbringen. Mitarbeiter können ebenso in dieser Zone agieren, bzw. im Flow arbeiten, wenn die Aufgabe im Einklang mit den Qualifikationen und den Rahmenbedingungen steht und dabei im richtigen Maß fordert ohne zu überfordern. Das bedeutet er ist fachlich in der LAge die Arbeit zu bewältigen, hat alle benötigten Hilfsmittel dafür parat und das passende Zeitfenster zur Erledigung. Jetzt lässt sich das nur nicht flächendeckend auf jeden Mitarbeiter anwenden, es wäre aber ein erster guter Ansatz Stress zu vermeiden. Die Erreichbarkeit ist ein kommunikationsproblem und zeigt oft organisatorische Versäumnisse auf. LEtzlich sollte es aber eine Angelegenheit sein, die betriebsintern gelöst wird und die beiderseitigen Interessen in Einklang bringt.

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