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Demografie: Land ohne Leute – das Beispiel Norditalien.

Wir Deutschen spüren die Auswirkungen des Fachkräftemangels erst nach und nach. Für andere Regionen in Europa sind Recruiting-Engpässe schon längst Alltag.

Fakt ist, der europäische Arbeitsmarkt befindet sich im Umbau. Er entwickelt sich zunehmend von einem Arbeitgebermarkt zu einem Arbeitnehmermarkt. Seit geraumer Zeit hat der Fachkräftemangel große Teile der Wirtschaft erreicht. Konnten einst viele Industriezweige aus einer großen Auswahl von Bewerbern wählen, ist nun Mangel an gut ausgebildeten Kräften zu beklagen, selbst bei den Handwerkern. Erfolgreiches Recruiting wird immer schwerer, eine gute Bindung von Mitarbeitern an ihr Unternehmen ist heutzutage ein Muss.

Einige Gebiete Europas haben bereits seit längerem mit diesem Problem zu kämpfen. In Deutschland ist vor allem der Osten betroffen. Im nördlichen Italien, einer Region mit einer der niedrigsten Geburtsraten in Europa seit Jahren, gehört dieses Problem zu den alltäglichen Herausforderungen.

Dr. Franco Civelli, Geschäftsführer der persolog italy, arbeitet seit 40 Jahren im Recruiting, Assessment und Consulting. Lesen Sie im Interview, was wir von Italien lernen können.

persolog GmbH:
Herr Civelli, Norditalien hat eine der niedrigsten Geburtenraten innerhalb Europas, und das seit Jahren. Sind diese Auswirkungen für die Unternehmen bereits spürbar?

F. Civelli:
Ja, die Auswirkungen sind teilweise sogar dramatisch, da manche Generation nur über wenig Arbeitskräfte verfügt. Zudem sind die Auswirkungen für „Unternehmen der ersten Generation”, die immerhin 65% der kleinen und mittleren Unternehmen in Norditalien ausmachen, bedenklich. Die meisten dieser Firman haben keinen Nachfolgeplan und riskieren daher, für immer zu verschwinden – mit ihrer Expertise, ihrem Know-how und ihrer Geschichte.

persolog GmbH:
Haben die Firmen Ihrer Einschätzung nach den Ernst der Lage erkannt?

F. Civelli:
Nein, das haben sie nicht. Sie schenken der demografischen Dimension keine Bedeutung. Dies ist umso erstaunlicher, als in manchen Gebieten 10% der Immigranten die Lücken in den Generationen auffüllen und auch manch Italiener bestimmte Jobs nicht ausführen möchte. Es gibt durchaus bestimmte Arbeitsfelder, die mit Menschen, die älter werden und ihre Arbeit nicht mehr ausführen können, aussterben.

persolog GmbH:
Welche Strategien verfolgen italienische Unternehmen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken? Von welchen Regionen etwa rekrutiert Norditalien Facharbeiter?

F. Civelli:
In den letzten Jahren gab es den Versuch, die Produktion nach Osteuropa (Rumänien, Albanien, Polen, etc.), nach Indien, China und Südamerika zu verlagern. In den letzten zwei oder drei Jahren gab es eine neue Welle der Binnenmigration von Süd- nach Norditalien.

persolog GmbH:
Wie unterstützt persolog Italy seine Kunden und italienischen Unternehmen in ihrem Kampf gegen den Fachkräftemangel?

F. Civelli:
Es ist unsere Verantwortung als Berater, das Management und die Menschen für diese Situation und die Folgen zu sensibilisieren. Sie müssen sich auf einen Personalauswahlprozess fokussieren, der den Schwerpunkt auf die Verweildauer der Mitarbeiter im Unternehmen legt. Denn auf lange Sicht kann die Leistung der Mitarbeiter nur kontinuierlich abgerufen werden, wenn die Loyalität gegenüber dem Unternehmen sehr hoch ist.

persolog GmbH:
Auf was sollten Unternehmen achten, wenn sie neue Mitarbeiter rekrutieren? Was sind die Erfolgsfaktoren?

F. Civelli:
Wir müssen uns wegbewegen von Lebensläufen und Empfehlungen. Sie spielen immer noch eine überbewertete Rolle im Personalauswahlprozess. Obwohl wir wissen, dass sie nur wenig aussagen über die zukünftige Leistung eines Mitarbeiters. Daher haben wir einen Einstellungsprozess eingeführt, der andere Fragen hervorhebt. Das persolog Mitarbeiter-Integrations-System stellt Fragen wie: Ist der Mitarbeiter aktuell in der Lage, mit seinen persönlichen und sozialen Kompetenzen eine adäquate Leistung zu erbringen? Wie wird er mit dem zukünftigen Vorgesetzten zurechtkommen? Wird er in das Unternehmensklima passen? Das Mitarbeiter-Integrations-System ist das erste Instrument, das diese Faktoren in den Personalauswahlprozess integriert. Es befähigt Unternehmen, solche Mitarbeiter einzustellen, die sich schnell in ihr Unternehmen einarbeiten bzw. sich schnell einarbeiten lassen. Sie können die Mitarbeiter auswählen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit lange im Unternehmen bleiben. Die bessere Passgenauigkeit zwischen den beiden Systemen „Person – Organisation” erhöht die Bindung. Das ist es, was angesichts Fachkräftemangel zählt.

persolog GmbH:
Sie haben mit zwei Personen aus Italien an der Masterzertifizierung zum Mitarbeiter-Integrations-System teilgenommen. Welche Bedeutung hat dieses Instrument in Ihrem Unternehmen und was sind die nächsten Schritte, um das Mitarbeiter-Integrations-System im italienischen Markt einzuführen?

F. Civelli:
Für persolog Italy ist das Mitarbeiter-Integrations-System sehr wichtig, da es sich einem zentralen Thema widmet: dem Recruitment. Wie wichtig das Thema ist, zeigt auch die ansteigende Zahl an Veröffentlichungen zum Thema Bewerbungsprozess in den letzten Jahren. Wir beobachten einen Wendepunkt bei Einstellungsprozessen: Früher konnten Unternehmen ihre Wunschkandidaten aussuchen. Heute suchen sich die Bewerber die Unternehmen aus, in denen sie gerne arbeiten möchten. Daher ist in Italien der wesentliche Markt für persolog Produkte und Beratung der für Recruiting, Auswahl und Assessment. Die nächsten Schritte zum Launch des Mitarbeiter-Integrations-Systems in Italien bestehen darin, das Mitarbeiter-Integrations-System mit Meinungsbildnern des HR-Markts sowie mit Unternehmen zu testen, die Schwierigkeiten haben, für ihre Zielgruppe auf dem Markt attraktiv zu sein.

persolog GmbH:
Herr Civelli, besten Dank für dieses Gespräch.

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