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Entbrannt oder ausgebrannt? – Die Linie zwischen Stress und Burn-out

Burn-out gehört längst zu unserem Alltag. Ständig hören wir von neuen Betroffenen. Gelegentliche Überforderung und Lustlosigkeit gelten heute oft als erste Anzeichen für Burn-out. Dabei sind sie natürliche Bestandteile unseres Lebens. Der inflationäre Gebrauch der Diagnose „Burn-out“ ist aber keineswegs unbedenklich. Zum einen werde sowohl für eine ernstzunehmende Depression, als auch  für schlichte Erschöpfungszustände der Begriff „Burn-out“ verwendet, erklärt der Leipziger Psychiater Ulrich Hegerl im Interview mit der Zeit. Zum anderen sei der häufig genannte Auslöser „Arbeit“ nicht zwingend die Ursache für Burn-out – Persönliche Faktoren spielen eine wesentliche Rolle.

Bis heute ist der Begriff „Burn-out“ nicht einheitlich definiert. Neben nicht ausreichenden Tests existiert nur ein gemeinsames Ergebnis: Die Betroffenen sind in irgendeiner Art und Weise erschöpft, weniger leistungsfähig und emotional entkräftet – scheinbar aufgrund ihres Berufs. Ein Zusammenhang zwischen anstrengenden Arbeitsbedingungen und Depression fände sich aber nur in 20 bis 30 Prozent der Fälle, so Hegerl.

Im Gegensatz dazu ist Stress sehr genau definiert. Stress entsteht, wenn eine Anforderungen an eine Person und deren Ressourcen oder Kompetenzen zur Bewältigung dieser Herausforderung, im Ungleichgewicht sind. Hat eine Person eine komplexe  Aufgabe zu erledigen und schätzt ihre Ressourcen, wie etwa ihr Know-How als ausreichend ein, kann Stress produktiv wirken. Die Person wird  motiviert, das Gleichgewicht wird wieder hergestellt. Sieht sich eine Person aber einer Herausforderung ausgesetzt, die sie nach eigenem Empfinden mit ihren verfügbaren Ressourcen nicht erfüllen kann, wirkt Stress nonproduktiv. Die Person ist demotiviert und überfordert. Sie glaubt, dass sie das Ungleichgewicht nicht beseitigen kann.

Überforderung durch den Beruf sei damit nicht unbedingt der Grund für Depressionen und Burn-out. Hegerl zufolge, ist die genetische Veranlagung in Verbindung mit wesentlichen Veränderungen der Lebensumstände, Konflikten in der Partnerschaft, Misserfolgen oder Verlustereignissen ausschlaggebend – In anderen Worten: Herausforderungen und  Stressauslöser unseres Privatlebens. Diese Stressoren aus privaten Bereichen können bei entsprechender Veranlagung dazu beitragen, dass es zum „Ausbrennen“ kommt. Burn-out sei deshalb ein „Risikozustand“, der im Zusammenhang mit gewissen Neigungen zu verschiedenen Krankheiten führen kann.

Personaler müssen bei Betroffenen deshalb genau hinsehen und zwischen Stress und Burn-out unterscheiden. Denn Stress kann,  im Gegensatz zu Burn-out, direkt und effektiv angegangen werden.

Quelle: Die Zeit. Burn-out, die deutsche Spezialität. N° 49, 1. Dezember 2011, S. 39.

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