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Erkältungszeit – eine Glaubensfrage

Winterzeit, Erkältungszeit. Genauso unerwartet wie der alljährliche Geschenkewahnsinn zu Weihnachten, begann im Dezember das allgemeine Schniefen und Niesen, Husten und Krächzen. Wie naiv hatten wir im heißen August die Winterwunderlandschaft herbeigesehnt und dabei diese Schattenseiten mal wieder nicht bedacht. Und leider erstreckt sich diese Viren-Phase bis weit in die Osterzeit hinein. Derzeit ist also sozusagen Hochsaison und trendbedingte Lieblingsbeschäftigungen wie aktives Sport-Meiden, Im-Eva-Kostüm-am-Karnevals-Umzug-Stehen und Zu-dünne-Schuhe-kaufen-aber-vor-Glück-Schreien fördern den Taschentuch- und Medikamente-Absatz ungemein. Wieder ein saisonbedingter Verkaufsrekord für den Einzelhandel, der nach dem Weihnachtshoch nicht fehlen darf, wenn auch keiner so gerne darüber spricht. Jeder geht schließlich auf seine Weise damit um und glaubt, im Laufe vieler Winter genug Erfahrung gesammelt zu haben, um von November bis April mit Ratschlägen um sich werfen zu können.

Nur kein Risiko eingehen!
Ich für meinen Teil bin ein überzeugter Hypochonder. Oder ein Pharma-Junkie. Wie auch immer die korrekte Bezeichnung sein mag. Ich glaube an die Allmacht von Medikamenten und unterstütze die Pharmaindustrie jährlich mit hohen dreistelligen Beträgen. Meine schwere Nasenspray-Abhängigkeit überwand ich nicht ohne Ersatz-Präparate und immer wieder finde ich in abgelegenen Schubladen abgelaufene Medikamente, die ich in meinem Vorsorgewahn kaufte. Nicht nur meine Hausapotheke ist gut gefüllt, auch mein Schreibtisch sieht in der Winterzeit aus die Auslage eines Gesundheitsladens: von Hustentropfen über diverse Nasensprays und Schmerztabletten bis hin zu verschreibungspflichtigen Penicillin-Präparaten. Der Satz „Gibt es da auch was homöopathisches?“ würde mir nie über meine Lippen kommen. Verächtlich lächle ich über Menschen, die ihre Erkältung über Wochen mit Sanddorn-Tees bekämpfen und haue mir Chemie-Hammer rein. Nur kein Risiko eingehen. Wahrscheinlich ist es Naivität zu glauben, in wenigstens einem Lebensbereich gäbe es einfache Lösungen. Krankheit = Pille schlucken = Gesundheit. Eine einfache Formel. Wahrscheinlich zu kurz gedacht und ein wenig Sorgen mache ich mir ob einer drohenden Antibiotikum-Immunität schon. Wenns denn wenigstens helfen würde.

Und was bringt das ganze?
Jede Großmutter weiß: Ein Schnupfen dauert mit Behandlung sieben Tage, ohne eine Woche. Stimmt ja nicht ganz. Manchmal sind es nur drei Tage. Manchmal erstreckt er sich auch (zumindest gefühlt) vom ersten Advent bis Gründonnerstag. Und diese natürliche Bandbreite bedingt das quasi religiöse Bekenntnis zum „Geheim-Mittel“, auf das eine mehr oder weniger große Schar der Bevölkerung „schwört“. Das eigentliche Problem an Erkältungen: Wir ertragen es nicht, nichts tun zu können. Wir können inhalieren, uns schonen oder uns ablenken, arbeiten gehen oder schlafen, Medikamente nehmen oder Tees – es dauert trotzdem und nervt uns extrem. Ich in meiner Medikamenten-Gläubigkeit denke, den besten Weg gewählt zu haben. Der Reformhaus-Käufer oder der Ironman-Teilnehmer glaubt an seine Methoden. Die traurige Wahrheit ist: es gibt kein Wundermittel. Und es gibt leider auch keins, das uns vor der Wiederkehr der Erkältungszeit im nächsten Jahr bewahrt.

Es gibt 1000 Krankheiten, aber nur eine Gesundheit.“ – Arthur Schopenhauer

2 Antworten zu “Erkältungszeit – eine Glaubensfrage”

  1. Ein Hypochonder bin ich auch, ganz nach dem Motto: Ein gesunder Patient ist einfach nur noch nicht genug untersucht worden…
    Meine Medikamenten-Gläubigkeit habe ich jedoch schon lange abgelegt.

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