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Fehlen wirklich so viele Ingenieure?

© iStock: wakila

 

Der Aufschwung beschert vielen Unternehmen volle Auftragsbücher. Aber sofort werden auch wieder die Alarmrufe laut, hochqualifizierte Fachkräfte würden fehlen. Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung legt nun nahe, dass das Defizit gar nicht so groß ist wie befürchtet – es könnten sogar Überschüsse entstehen.

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) warnt seit einiger Zeit vor einem Mangel an Ingenieuren – und zwar an solchen, die üblicherweise in der Industrie eingesetzt werden. Diese Warnungen werden immer wieder gerne von den Medien und der Politik aufgegriffen, schließlich möchte man alles dafür tun, den Wirtschaftsstandort Deutschland wettbewerbsfähig zu halten.
Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt jetzt aber auf, dass die Belege für den angeblichen Ingenieurmangel arg konstruiert sind.

Berechnung der Ingenieurlücke: Pi mal Daumen

Die Berechnung des VDI scheint einfach: die offenen, bei der Arbeitsagentur gemeldeten Stellen werden mit der Zahl der arbeitslosen Ingenieure gegengerechnet. Weiterhin geht der VDI davon aus, dass es erheblich mehr offene Stellen gibt als gemeldete: er multipliziert die Zahl der gemeldeten also einfach mal 7,14. Dieser Faktor ist laut DIW mehr oder weniger willkürlich gewählt und erscheint sehr hoch. Und die Zahl, die am Ende rauskommt, suggeriert der ganzen Welt einen erheblichen Ingenieurmangel in Deutschland.

Die Zahl erscheint auch deshalb aus der Luft gegriffen, weil nicht nur arbeitslose Ingenieure Ingenieursstellen besetzen können. Völlig ausgeblendet wird, dass sie in der Realität vor allem besetzt werden, indem Arbeitnehmer von einem Betrieb zu einem anderen wechseln. Karrierewechsel durch die ganze Welt sind besonders in diesen Berufen keine Seltenheit.

Ausgeklammert werden zudem Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss. Und besonders ein Faktor für die Ingenieursknappheit wird in der Öffentlichkeit selten diskutiert: die Löhne der Ingenieure. Denn die haben sich in den letzten Jahren meist eher mäßig bis schlecht entwickelt. Die Knappheit scheint also auch selbstgeschaffen.

Der tatsächliche Bedarf

In Deutschland gibt es laut DIW derzeit einen Bedarf an etwa 30.000 Ingenieuren. Diese Zahl ist aufgrund der guten Konjunktur in der letzten Zeit stark angestiegen. Dem steht aber schon jetzt eine weit größere Zahl an Studienabsolventen gegenüber: Im Jahr 2010 wurden mehr als 50.000 Abschlussprüfungen für Ingenieure erfolgreich absolviert.

Die Zahl der Studienabgänger wird in den nächsten Jahren weiter kräftig anziehen, denn es hat eine verstärkte Nachfrage der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge gegeben, nicht zuletzt wegen der Klagen über einen Fachkräftemangel. So ist beispielsweise im Studiengang Maschinenbau/Verfahrenstechnik die Zahl der Erstsemester im letzten Jahr um ein Fünftel gestiegen.

Damit bildet sich sogar ein Überschuss an Fachkräften heraus. Weil es an einer angemessenen Berufs- und Studienberatung mangelt, sind die jungen Menschen offenbar anfällig für die medienwirksam vorgetragenen Klagen von Verbandsfunktionären. Nicht wenige der Studienanfänger könnten also ein Opfer der konstruierten Zahlen werden und auch aufgrund der niedrigen Löhne ihr Glück im Ausland suchen.

Die Studie des DIW finden Sie hier.

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