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In drei Schritten zum Stress – oder nicht?

Wir alle führen das Wort Stress im Mund: „Heute war es mal wieder stressig“ oder „Der hat immer so viel Stress“ – aber was bedeutet das eigentlich? Ist Stress für uns das gleiche wie Hektik? Oder Druck? Oder Überforderung? Wir wollen dem Stress-Begriff wissenschaftlich auf den Grund gehen und die drei Schritte beleuchten, die zur Bewältigung oder Resignation führen.

Stress ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Zunächst strömen Forderungen auf uns ein: entweder von unserer Umwelt oder von uns selbst. Meistens befinden wir uns wohl in der Situation, dass sowohl andere als auch wir selbst Ansprüche an uns stellen. Und diese Anforderungen verlangen nach Bewältigung. Das ist an und für sich genommen noch kein Stress. Diesem Druck sehen wir uns unser ganzes Leben lang ausgesetzt, mal stärker, mal weniger stark.

Interessant ist die Wechselwirkung: wie sieht die Anforderung aus und wie gehen wir konkret mit dieser um? Dabei spielen noch mehr Faktoren eine Rolle: wie bewerte ich die Situation? Etwa: fühle ich mich durch die Anforderung / den Anspruch ungerecht behandelt? Welche Bedeutung schreibe ich genau dieser Herausforderung zu?

Um es auf wissenschaftlich zu sagen: „Stress ist das Ergebnis einer kognitiven-subjektiven Bewertung zwischen äußeren Anforderungen (Lebensereignisse, Lärm etc.) und inneren Anforderungen (erstrebenswerte Ziele, Werte, Einstellungen usw.) und von der Person wahrgenommenen Möglichkeiten (Ressourcen) zur Bewältigung der Anforderungen“ (Lazarus, Folkman, 1984).

Hier kommt also noch ein weiterer Faktor ins Spiel: Kann ich auf Grundlage meiner Kräfte und Fähigkeiten überhaupt den Anspruch bewältigen? Hierbei handelt es sich also wiederum eine subjektive Bewertung der Situation. Fällt meine Bewertung negativ aus, habe ich Stress.

Verschiedene Persönlichkeitsfaktoren wie ein stabiles Selbstbild und eine hohe Überzeugung, die Umwelt beeinflussen zu können, sind entscheidende Größen bei der Entstehung des Stressempfindens. Es wird deutlich: Bedeutsam für den Stressgehalt einer Situation sind nicht (nur) die objektiven Merkmale der Situation, sondern Gedanken, Empfindungen und Überlegungen des Betroffenen ganz individuell. Eine Situation ist nicht deshalb stressend, weil sie eine bestimmte Intensität übersteigt. Sie wird durch unsere subjektive Wahrnehmung und Bewertungen zu einem Stressor. Das geschieht in drei Schritten:

1. Einschätzung der Situation
Das Ereignis (bzw. die Situation) wird wahrgenommen und hinsichtlich seiner Gefährlichkeit eingeschätzt, d. h. ob es Anforderungen stellt, die „in der Einschätzung der betroffenen Person die inneren und äußeren Ressourcen auf die Probe stellen oder überschreiten“ (Lazarus, 1981). Die zentrale Frage hier lautet: Was ist hier los? So kann jedes Ereignis als irrelevant, günstig/positiv oder stressend eingestuft werden.  Je nach Einschätzung kann der gleiche Reiz als schädigend, bedrohend oder, im positiven Sinne, als herausfordernd gesehen werden.

Dabei kann selbst eine zunächst als positives Ereignis eingeschätzte Herausforderung mit der Zeit zur Gefahr werden. Ein Beispiel: Menschen spielen am Abend gemütlich Tennis und haben Spaß dabei (Herausforderung). Mit der Zeit wird das Tennisspiel jedoch unter dem Gesichtspunkt des Gewinnens-Wollens gespielt, später dann des Gewinnens-Müssens (Gefahr, Bedrohung) oder des Verlierens (Schaden, Verlust). Es entsteht eine chronische Überforderungssituation und es entwickelt sich das Muster des „Immer-Gewinnens-Müssens“. Auf diesem Wege kann diese Herausforderung langsam zur Schädigung führen.

2. Bewertung der zur Verfügung stehenden Ressourcen
Im zweiten Schritt werden die zur Verfügung stehenden Ressourcen und eigenen Fähigkeiten daraufhin bewertet, wie sie zur Bewältigung der Situation genutzt werden können. Die Ressourcen können intellektueller, körperlicher, materieller oder sozialer Art sein. Die zentrale Frage lautet hier: Habe ich Möglichkeiten und Fähigkeiten, etwas gegen die stressenden Ereignisse zu unternehmen? Was kann ich hier tun? Weitere Fragen können lauten: Wie ist die Situation? Wer könnte mir helfen? Was könnte ich sonst tun? Kommt der Mensch zu dem Schluss, dass er die nötigen Fähigkeiten und Ressourcen besitzt, die Situation zu meistern, wird das Stressniveau sehr gering ausfallen. Fehlen aber entscheidende Ressourcen, steigt das Stressniveau an und der Betroffene erwartet eine negative Konsequenz. Situationen bzw. Ereignisse sind für ihn stressreich und schwer zu bewältigen, wenn sie als bedeutungsvoll, unvorhersehbar, unkontrollierbar, ungewiss oder mehrdeutig bewertet werden.

3. Neubewertung der Situation
Im dritten Bewertungsschritt werden die äußeren und inneren Bedingungen noch einmal reflektiert. Die ursprüngliche Situation wird noch einmal bewertet und die Bewältigungsstrategie evaluiert. Neubewertung geschieht aufgrund neuer Hinweise aus der Umgebung, Rückmeldungen hinsichtlich der eigenen Reaktion und deren Konsequenzen, neuer Überlegungen und Überdenken der Situation. Aufgrund der Erfahrungen, die im Umgang mit der Stresssituation gesammelt wurden, werden situative Bedingungen und eigene Bewältigungsmöglichkeiten im Hinblick auf zukünftige Stresssituationen neu eingeschätzt. Das Ergebnis fließt in die Wahrnehmung zukünftiger Situationen ein.

Nach den oben beschriebenen Bewertungsschritten wird eine Situation als stressend ausfallen, wenn die Anforderungen als hoch und die persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten als gering eingeschätzt werden. Vielfältige Stressreaktionen sind die Folgen daraus. Stressreaktionen sind all die Prozesse, die von den betroffenen Menschen als Antwort auf einen Stressor in Gang gesetzt werden. Wir reagieren dabei immer als ganzer Mensch und somit entstehen die Reaktionen auf verschiedenen Ebenen: körperlich, kognitiv-emotional oder verhaltensbezogen. Aus diesem Grund müssen zur Stress-Prävention auch auf allen diesen Ebenen Stressbewältigungs-Strategien erlernt werden.

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Eine Antwort zu “In drei Schritten zum Stress – oder nicht?”

  1. Leider kann man nicht immer in stressigen Situationen den kühlen Kopf behalten. Es ist aber gut, dieses Schema zu haben. Probiert man das einmal, wird man immer diese Methodik nutzen. Die Hauptsache ist, das Problem nicht zu übertreiben…

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