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Interview: Persönlichkeit und Selbstorganisation an der Uni

Der Trainer, Coach und Professor Dr. Markus Riedenauer hat ein Buch geschrieben das helfen soll, „ein selbstbestimmtes Leben in Balance“ zu führen. Er hat nämlich die Erfahrung gemacht, dass das gerade im Wissenschaftsbetrieb nicht immer leicht ist.

1.    Professor Riedenauer, Sie haben ein Zeitmanagement-Buch für Beschäftigte in der Wissenschaft geschrieben. Wie haben Sie hierfür den Bedarf erkannt?
Aus eigener Erfahrung an verschiedenen Hochschulen und Universitäten weiß ich, dass Zeitmanagement ein zentraler Erfolgsfaktor ist, ohne den man auch mit hoher Fachkompetenz  schwerlich weiterkommen wird. Hinzu kommen Erfahrungen, die ich und meine Mitautorin Andrea Tschirf in vielen Trainings, Seminaren und Coachings machen konnten, wo wir wissenschaftlich Tätige unterstützen. Dabei fiel uns auf, dass es zwar viele allgemeine oder auf wirtschaftliche Berufe zugeschnittene Zeitmanagement-Ratgeber gibt – aber keinen, der speziell auf die besonderen Situationen bei wissenschaftlicher Arbeit eingeht.
So haben wir das Buch „Zeitmanagement in der Wissenschaft“ geschrieben. Dabei wurde uns immer klarer, dass wir einen integralen Ansatz empfehlen, der über Zeitmanagement im engen Sinn hinausgeht. Im Titel kam die „Selbstorganisation“ dazu, und der Untertitel zeigt das Ziel an: „Ein selbstbestimmtes Leben in Balance“; das heißt, dass jeder und jede alle Lebensbereiche und Rollen berücksichtigen sollte. Und die eigene, einzigartige Persönlichkeit. Wir wollten mit dem Buch also einerseits speziell auf die Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft eingehen, andererseits soweit als möglich auf die persönlichen Besonderheiten – Werte, Lebensziele, Verhaltenstendenzen.

2.    Denken Sie, die Anforderungen an Selbstorganisation und Zeitmanagement unterscheiden sich in wissenschaftlichen Berufen von den Anforderungen der freien Wirtschaft?
Ja, insofern oft mehr Freiheit gegeben ist, und damit auch Selbstverantwortung! Bei den Jüngeren herrscht oft zusätzlich große Unsicherheit in Bezug auf Karrierechancen. Deshalb haben wir in Kapitel I die spezifischen Herausforderungen in der Wissenschaft thematisiert. Darin geht es um inhaltliche Freiheiten mit der Kehrseite der Unklarheit über Qualitätskriterien oder weniger Rückmeldungen über die eigene Leistung. Außerdem ist man meistens bei der Zeiteinteilung selbstbestimmter, langfristig z.B. mit einem Dissertationsprojekt, kurzfristig etwa bei der Tages- und Wochenplanung. Häufig werden dann die Arbeit und das Privatleben stark vermischt. Es gibt offizielle und inoffizielle Abhängigkeitsverhältnisse, ein hoch kompetitives Umfeld, Unterfinanzierung, den Zwang zu Zusatzjobs…

3.    In Ihrem Buch beschreiben Sie auf Grundlage des persolog Persönlichkeits-Modells, dass Selbstorganisation viel mit der Verhaltensausprägung zu tun hat. Erläutern Sie das doch bitte kurz für unsere Leser.

Der eine beginnt z.B. immer neue Projekte und verzettelt sich in seiner Begeisterung. Die andere arbeitet übergenau und kommt nicht weiter – sie brauchen gegensätzliche Strategien, um jeweils erfolgreicher zu werden. Allgemeine Ratgeber haben ein gewisses Manko, dass sie die individuellen Verhaltenstendenzen zu wenig berücksichtigen. Oft wäre ein Einzelcoaching das Beste. In Trainings oder in einem Buch kann man dem näher kommen, indem man typologisch arbeitet. Dafür eignet sich das persolog Persönlichkeits-Modell sehr gut. Schon mit den vier Prototypen kommt man ein gutes Stück weiter.

4.     Kommt die Botschaft an?
Es sieht so aus! Schon seit einigen Jahren bieten die universitären Stellen für Personalentwicklung Seminare aus dem Bereich Selbstorganisation an. Zum Buch bekommen wir auch sehr positive und dankbare Rückmeldungen – es scheint, mit dem Thema und unserem Ansatz haben wir einen Nerv getroffen.

5.    Haben sich die Anforderungen an Selbstorganisation und Soft-Skills bei Studenten und Lehrenden Ihrer Meinung nach erhöht? Spielt der Bologna-Prozess hier eine entscheidende Rolle?
Ja, weil die Modularisierung und Verschulung der Studiengänge Freiheiten einschränkt und mehr Effizienz erfordert. Für die Lehrenden ist der administrative und bürokratische Aufwand gestiegen, auch unabhängig vom Bologna-Prozess, und ein wissenschaftliches „Prekariat“ entsteht. Man muss heute gleichzeitig vielseitiger und spezialisierter sein.

6.    Sie schreiben in Ihrem Buch auch über Stress und dessen Bewältigung. Welche Rolle spielt Stress im Wissenschaftsbetrieb? Welche Tipps bietet Ihr Buch zur Stressbewältigung?
Ein Kapitel heißt „Energiemanagement: Vom Stress zum Flow“ – das bezeichnet schon die Richtung: Die gefühlte Energie hat eine leibliche, eine emotionale und eine kognitive Dimension. Entsprechend kann Distress in Eustress verwandelt werden durch eine Neubewertung der Situation, die Stärkung positiver Gefühle und durch körperliche Entspannung oder eine gesunde Lebensweise. Wir behandeln auch häufige Stressoren wie Arbeits- und Leistungsdruck, Beschleunigung, schlechte Rhythmen und zu wenig Rekreation, persönliche Schwierigkeiten, aber auch externe Faktoren wie eine schlechte Organisations- und Informationskultur. Von den Stresstypen kommen wir zur notwendigen Berücksichtigung des persönlichen Typs auch in chronobiologischer Sicht, also was wir im Alltag vereinfacht mit Morgen- oder Abendmenschen bezeichnen. Dann finden sich einige Tipps zu guten Rhythmen und Selbstmotivation. Beispielsweise ist es wichtig, die eigene „prime time“ zu kennen, also zu welcher Uhrzeit ich normalerweise am leistungsfähigsten bin, und in diesen Zeiten Unterbrechungen und Routineaufgaben zu vermeiden, um konzentriert an einem großen Projekt oder einer herausfordernden Aufgabe zu arbeiten.

7.    Welche Rolle spielt die Kommunikation für eine bessere Selbstorganisation und weniger Stress?

Besprechungen, Telefonate, schriftliche Kommunikation – das alles kostet Zeit. Denken Sie nur an die Massen von Emails! Wer das optimiert, kann viel Zeit und Nerven sparen, kann Störungen und vielleicht sogar Konflikte vermeiden. Ein eigenes Unterkapitel behandelt, wie Teamarbeit in der Forschung verbessert werden kann, indem auf die Verhaltenstypen Rücksicht genommen wird.

8.    Sie sind auch als Trainer und Coach mit dem persolog Persönlichkeits-Profil tätig. Inwieweit nutzen Sie in Ihren Coachings und Trainings die vier Verhaltensdimensionen?

Wie gesagt, erscheint es uns wichtig für eine nachhaltige Verbesserung der Selbstorganisation, dass die eigene Persönlichkeit berücksichtigt wird, vor allem die Werte und Verhaltenstendenzen. Dafür verwende ich das persolog-Modell sehr gerne, weil es wissenschaftlich fundiert ist, systematisch überzeugend und sehr klar ausgearbeitet – nicht zuletzt auch für das Zeitmanagement. Mir gefällt besonders, dass sofort auch Mitarbeiter, Vorgesetzte und andere Personen besser verstanden werden können und somit das ganze Umfeld besser funktioniert. Das ist auch immer sehr gut angekommen!

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