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Last but not least: Der Nächste, bitte!

Die Zeit steht. Es herrscht gedrückte Stimmung. Keiner fühlt sich gut. Im Wartezimmer geht es allen gleich – sollte man meinen. Doch aus eigener Erfahrung kennen wir sie alle, die Wartezimmer-Charaktere, die einem die Wartezeit beim Arzt verkürzen, oder auch verlängern können…

Der Geübte
Der Aufenthalt im Wartezimmer stellt für den Geübten keine unbekannte Situation dar, schließlich besucht er seinen Hausarzt in regelmäßigen, aber kurzen Abständen. Mit einem innbrünstigen „Guten Tag“ betritt er die Arena. Wie der Moderator einer Late Night Show nickt er dabei gekonnt einzelnen Personen zu und begibt sich auf einen freien Platz. Am besten einen, bei dem er möglichst viele Sitznachbarn hat, denn als geübter Besucher der Praxis unterhält er sich gerne, egal ob über die eigene Krankheit, oder die des Gesprächspartners. Mit einem ernsten Unterton nimmt er dann die Rolle eines Beraters ein.

Der Eigenbrötler
Der Eigenbrötler empfindet die Situation im Wartezimmer als unangenehm. Deshalb ist sein einziges Ziel, die Zeit möglichst schnell und ohne größeren Kontakt zu seinen Mitmenschen zu überwinden. Mit einem knappen „Tag“ oder einem leisen Nuscheln begrüßt er die Wartenden und eilt so schnell es geht zum Zeitschriftenregal. Hat er die Etappe vom Regal zu seinem Platz geschafft, fühlt er sich schon wohler. Denn dann kann er sich in seine Zeitschrift über Königshäuser und politische Intrigen vertiefen – oder zumindest so tun – und ist vor seinen redseligen Genossen, wie etwa dem Geübten, sicher.

Der Dramatiker
Es geht ihm so schlecht. Niemandem im Wartezimmer, wenn überhaupt jemandem auf dieser Welt, geht es so miserabel wie dem Dramatiker. Wäre er die Figur eines Filmes, würde stets eine Gewitterwolke über ihm schweben. Mit einem Seufzen begibt sich der Dramatiker in die Wartezimmergesellschaft und lässt sich auf einen freien Platz sinken. Je nach Krankheit hustet oder stöhnt er und wartet sehnsüchtig, bis sich jemand nach seinem Leiden erkundigt. Und wird ihm sein Wunsch erfüllt, hat er die Bühne für sich: Nach einem „Fragen Sie besser gar nicht“, berichtet der Dramatiker ohne weitere Aufforderung ausführlich von seiner Krankheitsgeschichte, bis er aufgerufen wird und sich aus dem Wartezimmer schleppt.

Der Naseweis
Der Naseweis ist ein stiller aber neugieriger Wartensgenosse. Er hält sich aus Gesprächen raus, lehnt diese aber keineswegs ab. Denn der Naseweis eifert danach, in der Zeit im Wartezimmer möglichst viel über die anderen Personen zu erfahren und versucht die Krankheiten der Mitwartenden anhand von Informationen aus den Gesprächen zwischen dem Dramatiker und dem Geübten zu ermitteln. Findet kein Gespräch statt, überlegt er sich eben selbst, welche Krankheiten hinter den Symptomen der anderen stecken könnten. Der persönliche Höhepunkt des Naseweis‘ ist aber, wenn die analysierte Person aufgerufen wird, denn dann kennt er nicht nur die Krankheit, sondern auch den Nachnamen der Person.

Der Neurotiker
In seiner ständigen Angst vor Ansteckung, meidet der Neurotiker jeglichen Kontakt zu Menschen und Gegenständen in der Praxis. Deshalb fasst er die Türklinke zum Wartezimmer auch nur verkrampft und mithilfe seines Ärmels an. Dabei stößt der Neurotiker ein kurzes „Hallo“ aus, denn er versucht nur flach oder am besten überhaupt nicht zu atmen. Ertönt während seinem Aufenthalt im Wartezimmer dann auch noch ein Husten, kann man beobachten, wie der Neurotiker seinen Schal oder Kragen von Minute zu Minute ein Stück weiter über Mund und Nase zieht.

Ob Sie bei Ihrem nächsten Arztbesuch den passenden Sitznachbarn erwischen, ist nun Ihnen, oder der Person, die sich auf den freien Platz neben Ihnen setzen wird, überlassen. Darum bleibt nur ein Tipp: Bleiben Sie gesund!

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