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Last but not least: Wenn einer eine Reise tut

Es muss mal einer in die Bresche springen für die Deutsche Bahn. Ich weiß, dieses Feld ist vermint und Schimpfen ist sowieso des Deutschen größte Lust, aber ich habe – Achtung, jetzt kommts – positive Erfahrungen mit dem wohl unbeliebtesten Reiseanbieter Deutschlands gemacht!Meine nicht-repräsentative Stichprobe hat ergeben: Bei 12 Fahrten zwischen Karlsruhe und Frankfurt komme ich gerade mal auf eine läppische Stunde Verspätung! Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Rush-Hour-Geplagten auf der A5 davon nur träumen können. Und das alles zu einem Preis, der nur genauso hoch ist wie die Spritladung für eine Porsche Cayenne für 300 Kilometer. Natürlich vorausgesetzt man erhält den BahnCard 50 Sparpreis und reist weder mit dem ICE noch über München.

Was mich auch so an der Deutschen Bahn begeistert sind die schier unbegrenzten Möglichkeiten zur sozialen Interaktion auf so einer Reise.
In Bruchsal stieg letztes Wochenende ein Geschäftsmann in mein Abteil. Während er in sein Smartphone redete stellte er seinen Laptop auf, steckte das Netzteil in die Steckdose, tippte wie wild in die Tasten, entfaltete seine Zeitung, schlürfte an seinem Kaffee und biss in sein Brötchen und schrieb gleichzeitig eine SMS auf einem zweiten Handy. Und dabei gab er sich große Mühe, geschäftsmäßig und wichtig zu erscheinen und würdigte mich keines Blickes.

Das faszinierte mich: Wachsen Menschen aufgrund von Stress zusätzliche Hände? Mit meinen zwei Händen hätte ich für diese Aktionen jedenfalls mindestens eine Stunde gebraucht. Allein um zu zeigen, dass ich auch wichtig war, holte ich mein Handy heraus und starrte angestrengt auf den Bildschirm. Dass mich von dort nur der Hello-Kitty-Hintergrund anlächelte, musste der Anzug-Typ ja nicht wissen. Eigentlich finde ich es auch mal ganz angenehm NICHT dauernd angerufen zu werden. Nichtsdestotrotz tat ich so, als würde es klingeln, drückte einen Knopf und sagte laut: „Hallo! Ja, wie geht es Dir? Mir geht’s super! Ich bin gerade im Zug nach Frankfurt. Stell Dir vor, überall haben die hier jetzt W-Lan! Ja echt, super Sache! Damit habe ich jetzt Zugriff auf alle Computer die gerade im Zug online sind! Klasse, oder? Nee, kein bißchen geschützt. Aber interessante Sachen kann man da sehen. Gut, dann telefonieren wir später weiter. Nee, kein Ding. Bis dann!“ Ruckartig hatten alle im Abteil die Deckel ihrer Laptops geschlossen. Alle Reisenden starrten mich in einer gesunden Mischung aus Misstrauen und Entsetzen an. Einige schalteten auch ihre Smartphones ab. Ich grinste schief und rief „War doch nur Spaß!“. Vorsichtshalber ließen aber einige ihre Geräte ausgeschaltet. So lässt es sich doch reisen!

2 Antworten zu “Last but not least: Wenn einer eine Reise tut”

  1. Ach ist das herrlich! Ich glaube das probiere ich am Samstag im Zug auch aus 😉

    Und außerdem ich bin tatsächlich auch ein Fan der Deutschen Bundesbahn. Meine schlechten Erfahrungen halten sich in sehr überschaubaren Grenzen, dafür bin ich nach langen Autofahrten immer total fertig.

    Aber wer lässt sich schon gerne seinen Sündenbock wegnehmen??

  2. Ich mag das Reisen in Zügen auch. Man muss sich um nichts kümmern, als Reisekranker verträgt man die Fahrt auch deutlich besser als die in einem Auto. Da stören mich nicht mal die wichtigen Menschen, die wichtige Dinge zu tun haben.

    LG und schöne Ostern,

    myMONK

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