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Meine Stimme für den Herbst!

© iStock: quavondo

 

Die Badehose ist in den Karton auf den Schrank gewandert. Genauso die Schwimmbrille und die Flipflops. Seit mich letzte Woche Christstollen und Spekulatius im Supermarktregal angelächelt haben war mir klar – das wars mal wieder mit dem Sommer. Vorbei mit den Abenden im Biergarten, Schluss mit kurzen Hosen im Büro. Kaum fallen die Temperaturen tagsüber unter 20 Grad, sieht man morgens an der Haltestelle die Menschen mit Bommelmützen und Fellschuhen. Kinder werden ob der nahenden Kältefront dick in Decken und Fäustlinge eingepackt und im Schaufenster zeigt uns die Konsumgesellschaft, was wir jetzt wirklich brauchen: Strickschals und Stulpen. Irgendwie scheint man nahtlos vom Sommer-Sonne-Status in die Vorweihnachtszeit übergehen zu wollen. Glühwein statt Hugo. Besteht der Herbst nur noch aus den üblichen Promi-Meldungen und Bierleichen-Dokumentationen vom Oktoberfest? Eine ganze Jahreszeit wegrationalisiert in Vorfreude auf das nahende Weihnachtsgeschäft?

Der Herbst dauert offiziell vom 23. September bis 21. Dezember. Damit hat er per se einen starken Konkurrenten: Wer denkt an der Snowman-dudelnden Glühweinbude, die bereits Ende November ihre Pforten öffnet, noch an die dritte Jahreszeit? Kürbissuppen, St. Martin, Erntedank und Kastanientiere – was ist aus ihnen geworden? Besonders an denjenigen, die nicht gerade Kindergartenkinder mit Pappkarton-Igeln und Laternen zu versorgen haben, geht der Herbst relativ spurlos vorbei. Der Blätterregen fällt in der Großstadt traditionell dürftig aus. Und der ein oder andere könnte sogar meinen, der am 01. November noch in manchen Bundesländern begangene Feiertag diene zur Erholung nach der Halloween-Sause.

Dabei haben wir sie dringend nötig, die „goldenen Tage“ der Ruhe vor dem Jahresende. Nicht nur symbolisch wird uns jedes Jahr im Herbst eine Stunde Zeit geschenkt. Zeit für ruhige Abende, wenn uns kein Sommerfest, kein Weinfest und zum Glück auch noch kein Weihnachtsmarkt zu gesellschaftlichen Verpflichtungen lockt. Wenn wir uns noch nicht ganz an die frühe Dunkelheit gewöhnt haben und uns deshalb abends müde in unsere Kuscheldecke wickeln und einen guten Film genießen.

Aber tun wir das wirklich? Einfach mal genießen können. Das fällt uns so schwer. Wir suchen bereits im Oktober Weihnachtskarten aus, halten Feiertagsvorbesprechungen ab und kaufen Schnee-Overalls. Wozu? Für den Fall, dass wir Ende November unvorhergesehen 4 Wochen lang eingeschneit werden?

Meine Empfehlung: nutzen Sie den Herbst! Er hat es verdient. Als kürzeste und anscheinend unspektakulärste Jahreszeit sollte er auch mal zeigen dürfen, was er kann: über sonnige Herbstspaziergänge und Basteln mit eigenen Kindern oder geliehenen hin zu gemütlichem Nichtstun. Ich jedenfalls halte es mit Elizabeth Barrett Browning: „Nichts bringt uns auf unserem Weg besser voran als eine Pause.“

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