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Über die Kunst des Kaffeekochens oder: Über die Kunst, sich von den Widrigkeiten des Lebens nicht unterkriegen zu lassen

kaffeeFrüher war Kaffeekochen wirklich eine Kunst und eine mühevolle obendrein: Zunächst mussten die Bohnen gemahlen werden – entweder mit der guten alten Kaffeemühle oder mit ihrem elektrischen Nachfolger, der eigentlich keine Mühle war, sondern ein Häcksler; roch meist etwas streng nach gestresster Magnetspule … Anschließend wurde das frische Kaffeemehl in einen Filter geschüttet und dann mit siedendem Wasser überbrüht, in mehreren Gängen. Das hat gedauert, weil es die heutigen Wasserkocher eben noch nicht gab. Nur Tauchsieder und Dampfkessel. Wollte man dann auch noch eine Milchhaube auf dem Getränk, wurde es erst richtig anstrengend – Rührgerät raus, Sahne schlagen. Schon vor dem eigentlichen Genuss der bittere Beigeschmack, hinterher die halbe Küche in Ordnung bringen zu müssen.
Klammer auf: Das war, kaffeehistorisch gesehen, die große Stunde des Instant-Kaffees; Pulver in die Tasse, heißes Wasser drüber – fertig. Bei Bedarf Instant-Sahnepulver („Kaffeeweißer“) einrühren. Schmeckte scheußlich, ging aber schnell. Kein Wunder, dass in dieser Epoche viele Kaffeetrinker zum
Tee(beutel) konvertierten. Klammer zu.

Nun, die modernen Automaten befriedigen die Bedürfnisse nach Geschmack, höchster Geschwindigkeit und denkbar einfacher Bedienung gleichermaßen. Es ist schon beeindruckend, was moderne Kaffeeautomaten können. Die großen unter ihnen bieten annähernd so viele Programme wie eine Waschmaschine. Kaffee ohne Milch? Bitteschön! Doppelter Kaffee (d. h. ein großer Becher)? Gerne. Einen Espresso? Selbstverständlich. Zwei Espressi? Prego, Signore. Einen Latte macchiato? Geht mit einem Knopfdruck. Oder Cappuccino? Mit richtig leckerer, geschäumter Milchhaube? Drücken Sie auf diese Taste. Oder Sie möchten eine Extraportion geschäumter Milch? Einen zusätzlichen Dampfstoß in Ihr Heißgetränk? Oder einfach nur heißes Wasser? Es gibt für alles einen Knopf bzw. eine Taste. Die dienstbeflissene Maschine arbeitet flink und in erstaunlicher Qualität einen Kaffeesonderwunsch nach dem anderen ab.

Bis ein armes Menschenkind, von harter Arbeit ermattet, mit seinem Becher an die Quelle des Genusses kommt und die Taste „Cappuccino“ drückt. Es dauert einen Moment, bis der Bedürftige realisiert, dass sich nichts tut. Ein Blick auf das Display schafft Klarheit: Schale leeren. Okay, da haben die Erfinder dieses neuzeitlichen Wunders wirklich an alles gedacht: Die eventuell überfließende Brühe (z. B. wenn jemand ein Espresso-Tässchen hinstellt und versehentlich einen doppelten Kaffee anfordert …) kann durch den gelochten Edelstahluntersatz in eine Auffangschale fließen. Ist eine Toleranzgrenze überschritten, bekommt es der Automat mit der Angst zu tun und meldet: Schale leeren. Ja, auch Automaten haben Grundängste … Zweiter Anlauf, wieder eine Mitteilung im Display: Kaffeesatz leeren. Logisch, irgendwo muss das verbrühte und verbrauchte Bohnenmehl (der Vorbenutzer) ja hin, „Second Extraction“ wäre schließlich eine Geschmacksbeleidigung und heller als ein „Darjeeling First Flush“, zwei Minuten gezogen. Gute Miene … zu welchem Spiel eigentlich? Jeden erwischt es mal, doch nur selten zweimal hintereinander. Jetzt aber endlich Cappuccino … „Bohnen nachfüllen“ meldet das freundliche Gerät. Das ist nun außergewöhnliches Pech, aber ohne Kaffeebohnen kein Kaffeemehl, und ohne Kaffeemehl gibt es keinen Kaffee. So lautet der Kausalzusammenhang, und daran hält sich die Maschine strikt. Zum Glück ist auch das schnell erledigt. Kaffeevorfreude lässt sich nicht so schnell unterkriegen. Beim vierten Versuch fängt der Milchaufschäumer an zu röcheln. Irgendwann ist auch das größte „Euter“ leer, selbst wenn das Gerät aus der Schweiz kommt. Wie gesagt, früher war Kaffeekochen echt anstrengend, heute ist es ein Kinderspiel …

Wenn Sie glauben, dies sei ein erfundenes Worst-case-Szenario, darf ich Ihnen versichern: Ich war selbst Zeuge des Geschehens und heilfroh, dass mein Koffeinspiegel erst wieder nach Erhöhung verlangte, als alle Serviceanforderungen der Hightech-Maschine abgearbeitet waren. Wer es sich leisten kann zu warten, ist klar im Vorteil. Prego!

© phantom-as, persolog GmbH, MMIX

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