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Asche auf unser Haupt!

Fast sieht es aus wie eine gezielte Racheaktion, nachdem die globale Wirtschaftskrise dem armen, kleinen Island so übel mitgespielt hat. Da hatte es tapfer und mutig über etliche Jahre am Roulettetisch der Großen mitgezockt und steht jetzt ziemlich pleite da und sieht sich überdies happigen Forderungen ehemals eng befreundeter Nachbarn gegenüber.

Die Botschaft der Asche
Wie kann sich ein kleiner Inselstaat im Nordatlantik, der so gut wie keine eigenen militärischen Mittel hat, sondern „Freunden“ lediglich als Militärbasis dient, gegen abgezockte Gläubiger wehren? Nun, Island setzt auf Naturheilmittel. Einfach mal eines der vielen Ventile öffnen und Druck aus dem Erdinneren ablassen. Von Geologie und vom Klima verstehen sie allemal mehr als wir und haben natürlich eine Großwetterlage abgewartet, die dauerhafte nördliche Winde garantierte. Wären wir nicht im 21. Jahrhundert, man sollte meinen, da waren keltische Druiden am Werk.

So aber bleibt uns nichts anderes übrig, als von Naturgewalten zu sprechen, die die Schwächen unserer hoch technisierten Welt schonungslos offenlegen: Wenn unsere Aluminiumvogelschwärme am Boden bleiben müssen, bricht umgehend das Chaos aus und vieles zusammen. Gourmetköche rauften sich die Haare, weil u. a. Victoriabarsch nicht mehr frisch angeliefert werden konnte. Welch eine Tragödie! Da wurden Macher wie Konsumenten zu Ohnmächtigen. Zigtausende Fluggäste campierten notgedrungen auf Feldbetten in Abflughallen und warteten sehnsüchtig auf eine Flugnummer, hinter der nicht das stereotype „canceled“ stand. Obwohl – Hut ab! -, die meisten direkt Betroffenen nahmen es erstaunlich gelassen und bisweilen sogar humorvoll hin. Eine Art Zwangsurlaub eben. Dann bleibe ich halt noch ein paar Tage … spiele (Mini-)Golf oder Karten, surfe (im Internet, wo sonst?), gehe shoppen oder an den Strand. Dass die Asche wie eine gigantische Kontinentalwolke ausgerechnet über Europa lag, könnte uns zu der Frage verleiten: Hatte uns die Natur eine kollektive Buße für mancherlei jüngst zutage getretene Missetaten auferlegt? Aus katholischer Sicht durchaus nachvollziehbar. Dagegen spricht: Wie immer gibt es in solchen Krisen und Katastrophen auch Profiteure. Die Deutsche Bahn AG und ihre europäischen Partner zum Beispiel. Eine solche Auslastung der Züge – traumhaft! Die Züge platzten förmlich aus allen Nähten. Da muss es nicht wundern, wenn unterwegs mal eine Tür wegfliegt. Dass es bisher nur eine war, ist umso erstaunlicher. Hoteliers, Taxiunternehmen und Mietwagenverleihe rieben sich die Hände und machten ein Jahrhundertgeschäft. Menschen, die in Einflugschneisen ihr Leben fristen, dankten auf Knien für die Asche und erflehten Vulkantätigkeit auf längere Zeit. Und nicht wenige waren dieser Tage froh, Termine mit leichter Hand absagen zu können: Tut mir außerordentlich leid, Sie wissen ja, die Vulkanasche … Ein völlig neues Lebensgefühl, der Asche sei Dank!

Vorsichtiges Resümee: Isländische Vulkanasche sabotierte unseren Hochgeschwindigkeitsstil und griff unseren rastlosen Rädern mutig in die Speichen. Wenn wir die Botschaft der Asche verstehen und positiv umsetzen, werden wir vielleicht ein wenig demütiger und dankbarer leben, auch jetzt, wo die Asche längst über unsere Häupter hinweggezogen ist …

© phantom-as, persolog GmbH, MMX

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