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Last but not least: Ausnahmezustand Urlaub

Urlaub stellt uns vor Herausforderungen, auf die wir nicht gut vorbereitet sind: Plötzlich müssen wir den Tag, den herrlich sonnigen, den von sämtlichen Terminen unbefleckten, selbstständig gestalten. Vom freiwilligen Entschluss, das bequeme Bett zu verlassen bis zu der Entscheidung, ob wir vor dem Abendessen noch eine Runde im Swimmingpool drehen oder doch lieber erst hinterher. Die gewohnte Struktur des Alltags fehlt, und auch die Sekretärin, die mit Sachverstand und Diplomatie den Kalender managt.

Sofern Sie Familie haben und mit ihr gemeinsam den Urlaub antreten, können Sie beim ausgedehnten Frühstück wenigstens ein Tagesprogramm diskutieren. Damit sind, je nach Kommunikationskompetenz der Familienmitglieder, bereits 1 ½ bis 2 Stunden sinnvoll gefüllt. Fairer Kompromiss nach zähen Verhandlungen: Jeder darf machen, was er/sie will. Ihre Frau möchte gerne in der romantischen Innenstadt mit den verlockenden Boutiquen „bummeln“ gehen und hat durchblicken lassen, dass sie sich über eine charmante, zustimmende und zahlungskräftige Begleitung freuen würde. Damit ist für Sie sonnenklar, was Sie nicht möchten. Eine Option weniger, bleiben noch … immer viel zu viele übrig. Man könnte dies, man könnte jenes, aber sich festlegen hieße ja auch, alle anderen reizvollen Alternativen auszuschließen. Mittlerweile ist es Mittag, das Buffet ruft und danach arbeitet der Bauch und nicht das Hirn. Also Siesta und anschließend 1-2 Tassen gepflegten Kaffee. Dann in die Hände spucken und endlich etwas Sinnvolles tun! Aber was heißt im Urlaub schon „sinnvoll“…? Zuhause im Unternehmen gibt es dafür klare Definitionen – hier nicht!

Noch schwerer haben es Singles, wenn sie auch im Urlaub solo sind: Kein Gegenüber, kein Diskussionspartner, kein mentales Armdrücken. Da versucht die kreative Fantasie verzweifelt in Schwung zu kommen, schafft es aber nicht, weil auch sie gerade Urlaub macht. Was tun mit einem so beängstigend freien Tag? Ohne Satzungen, Sitzungen, Auseinandersetzungen, Telefonkonferenzen, Internetforen? No Input, no Output. Also, wo ist das nächste Internet-Café?

Komisch, unser Umgang mit der Zeit: Wenn wir sie nicht haben, wollen wir sie unbedingt haben, und wenn wir sie dann endlich haben, müssen wir sie totschlagen, zumindest „vertreiben“. Es ist eine Not! Urlaub kann so unbarmherzig entlarvend sein: Wir sind Stress-Junkies. Wir brauchen den nervigen Alltagsstress, der uns so zielsicher durch den Tag manövriert wie ein Lotse durch die Stockholmer Schären. Urlaub ist der ultimative Ausnahmezustand, den wir nicht länger als vierzehn Tage ertragen. „Die Kunst des Müßiggangs“ (Hermann Hesse) ist uns Turbo-Menschen des 21. Jahrhunderts fremd geworden. Apropos „Kunst des Müßiggangs“: Ein echter Insidertipp für alle, die noch nach anregender Urlaubslektüre suchen.

© phantom-as, persolog GmbH, MMIX

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