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Last but not least: (K)Ein Pfiff ist (k)ein Pfiff ist (k)ein Pfiff

In gut zwei Wochen endet die Fußball-WM in Südafrika. Mit voraussichtlich wenig überraschendem Ausgang und einigen neuen Erkenntnissen.

Ein Plädoyer für die Pfeifen!

Um es kurz zu machen: Die Männer mit den Pfeifen waren bisher die auffälligsten Erscheinungen auf den grünen Rasenflächen Südafrikas. Nicht nur wegen ihrer farbenfrohen Trikots – „man in black“ war gestern. Das Schornsteinfeger-Outfit hat seine Furcht einflößende Wirkung über die Jahrzehnte längst eingebüßt… Folgerichtig kommen sie jetzt schriller und greller daher. Nur die bunten Kärtchen in ihren Brust- und Hosentaschen haben noch die traditionellen Farben. Rot und Gelb, bzw. erst Gelb und dann Rot: Das versteht jeder, da ist Globalisierung mal wirklich gelungen. Ein Spieler, der Rot sieht, ärgert sich meistens grün und blau. Kultur übergreifend. Konnte man deutlich sehen. Was wir schwerer sehen bzw. einsehen konnten, waren die Regeln, nach denen die Schiedsrichter ihre Kärtchen zum Einsatz gebracht haben. Millionen von Fernsehzuschauern glaubten bisher, sie hätten das eigentlich überschaubare Regelwerk verstanden. Jetzt haben wir verstanden, dass auch das Fußballspiel seine Mysterien kennt. Die Männer mit den Pfeifen zelebrieren die hohe Kunst der Regelauslegung neuerdings im geheimen Modus, soll heißen, für Betroffene wie Außenstehende immer öfter nicht nachvollziehbar. Gerade dadurch verschaffen sie sich gehörigen Respekt. Wenn auch nicht in den Wohnzimmern und Schankstuben, so doch auf dem Platz. Worauf es ja ankommt.

Akustisch haben es die Pfeifenmänner natürlich extrem schwer, sich gegen das Vuvuzela-Getute Gehör zu verschaffen. Könnte also sein, dass manch regelkonformer Pfiff in der Geräuschkakophonie einfach untergegangen ist, oder ein hochfrequenter Vuvuzela-Ton versehentlich für einen solchen gehalten wurde. So sehr wir dem menschlichen Ohr solche Fehlwahrnehmungen zugestehen, umso unverständlicher sind die optischen Täuschungen, denen die Männer in ehemals Schwarz zuhauf erlegen sind. Ball ganz klar im Tor und doch kein Tor? Bei drei, nein, vier Schiedsrichtern auf und neben dem Spielfeld? Wie viele Augen sollen es in Zukunft denn bitte noch sein, die mitgucken und mitentscheiden? Zwei zusätzliche Torschiedsrichter, die nichts weiter tun, als gebannt auf eine 7,32m lange Linie zu starren, werden demnächst wohl immer dabei sein. Aber wer möchte ausschließen, dass der eine oder andere Torlinienrichter einen nationalen Sehfehler hat und mal nach links und mal nach rechts schielt? Oder die Linie doppelt sieht? Man könnte das heute doch so leicht technisch lösen…, wenn, ja wenn da nicht die beunruhigenden Erfahrungen mit allerlei Software in anderen Bereichen des täglichen Lebens wären. Was, wenn eine defekte Torkamera drei reguläre Tore verweigert, obwohl alle, auch die Schiedsrichter, den Ball im Tornetz haben zappeln sehen? Wessen Autorität gilt dann? Ist der Schiedsrichter dann noch Schiedsrichter? Haben Sie schon mal daran gedacht, dass auch Fernsehkameras irren können bzw. manipuliert sein können? Dass wir etwas auf den Schirm kriegen, was in Wirklichkeit ganz anders war? Wenn wir solchen Gedanken in bemühter wissenschaftlicher Redlichkeit nachgehen, begreifen wir langsam, dass die Materie viel komplexer ist, als wir im ersten Sturm der Emotionen wahrhaben wollten. Da kehren wir am Ende vielleicht einsichtig zurück zur bewährten Tatsachenentscheidung. So wie der Schiedsrichter es gesehen hat oder gesehen haben will, war es auch. Tatsache. Oder sind unsere Augen und Ohren etwa unfehlbar? Na also.

© phantom-as, MMX

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