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Last but not least: So schön war die Zeit …

Unsere Digitalkameras machen Verschlussgeräusche beim Fotographieren. Unsere Handys klingeln wie Wählscheibentelefone. Und unsere Doktoranden schreiben „Offene Briefe“ statt „Offene E-Mails“ an die Bundeskanzlerin. In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich? Oder besser: In welchem wollen wir leben?

Früher war alles besser?

Ach ja, die gute alte Zeit. Geben wir es uns ruhig zu, wir hängen an ihr. Doch nicht immer stößt das auf Gegenliebe. So reagieren Kinder etwa mit Unverständnis, wenn wir Dinge sagen, wie: „Das sind fast 50 Mark!“ und blicken uns mit diesen großen Mann-bist-du-alt-Augen an. Berechtigt, wenn man mal bedenkt, wie man selbst dreinschauen würde, wenn einem jemand den Preis eines Paars Schuhe in Reichsmark vorhalten würde.

Unsere verflossene Währung ist aber nur ein Beispiel dafür, wie sehr wir in der Vergangenheit leben bzw. denken. Ein anderes und derzeit wieder fast täglich bemühtes Abbild vergangener Tage ist der Bezinpreis. Dank der rasanten Preisentwicklung können da auch schon ganz junge Generationen mitschwärmen.

Abseits von Teuerungsraten reisen wir aber gerne auf der Gefühlsebene zurück. Abgeholt vor allem über unser Hörorgan. Klingeltöne wie annodazumal haben Hochkonjunktur im ICE, Verschlussklappen schließen im Akkord vor dem Kölner Dom, Staubsauger machen Sauggeräusche wie in den Anfangstagen ihrer Erfindung, Handys spielen Musik im besten Ghetto-Blaster-Sound ab und Blätter-Kataloge im Internet rascheln digital beim Umblättern. Das alles klingt vertraut und verschafft uns ein Gefühl von Sicherheit und Ordnung.

Vergangenheit ist also ein Thema mit Zukunft: Derzeit gibt es Überlegungen, die ach so leisen Elektro-Autos, die wir uns demnächst in die Garage stellen, lauter zu machen, weil sonst kein Fahrgefühl aufkommt. Bei Sportwagen wird sogar eine zusätzliche Funktion in Erwägung gezogen, die das Auto vibrieren lässt.

Und warum das alles? Wollen wir wirklich in der Vergangenheit leben? Wünschen wir uns wirklich die Vergangenheit zurück? War früher wirklich alles besser?

Nein, sicher nicht. Aber die Vergangenheit ist ein Teil von uns und damit untrennbar mit unser Persönlichkeit verbunden. Gerade wenn sich Veränderung beschleunigt, brauchen wir Bezugpunkte. Zur Orientierung und Verortung unseres Indivduums in einer auf Dauerrotation gestellten Welt.

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