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Last but not least: Warum unsere Ohren immer öfter klingeln

An das allgegenwärtige Handy in der Hosen-, Jacken-, Hand- oder Gürteltasche haben wir uns längst gewöhnt. An den Geräuschpegel desselben nicht.

Bitte weiterlesen, aber vorher Handy ausschalten!

Das hätten sich unsere Altvorderen in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können: Jeder trägt so ein kleines Ding bei sich, mit dem man überall und jederzeit mühelos „Fern“gespräche führen bzw. empfangen kann. Noch meine Generation (Jahrgang 196x) ist mit dem einheitsgrauen Wählscheibentelefon aufgewachsen, selbstverständlich von der Post höchstpersönlich „fest“ angeschlossen. Der Bewegungsradius mit Telefon war sehr eingeschränkt, an „schnurlos“ nicht zu denken. Innerhalb weniger Jahre ist das Unvorstellbare Wirklichkeit geworden, und wir genießen den Luxus der freien (allerdings nicht gebührenfreien) Kommunikation. Jederzeit. Überall. Leider ist es so wie mit allen technischen Segnungen der Neuzeit: Was alle genießen können, wird schnell zur Plage.
Egal, ob Sie im Kaufhaus sind, in der S-Bahn oder im Wald: Irgendwo piepst, schrillt, klingelt, krächzt, rappt, rockt, düdelt und dödelt es. Wehe, Sie vergessen, das Wunderding auf „lautlos“ zu stellen oder ganz abzuschalten, dann kann es z. B. passieren, dass es sich mitten in der Nacht mit einer Signalmelodie meldet – der Online-Dienst verkündet stolz, ein neues „Upgrade“ stehe Ihnen zur Verfügung. Im Display erscheint die höfliche, aber leider unzeitige Frage: Download jetzt? Ich möchte nicht wissen, wie viele Handys ihren Dienst für immer einstellen, weil ihre schlaftrunkenen Besitzer sie verärgert an die Wand schmeißen. So ist es halt mit den Kulturgütern: Richtig wertgeschätzt werden sie erst, wenn sie tief unterm Staub der Geschichte begraben liegen … Das nur so nebenbei.

Mittlerweile sind wir so auf Dauerbeschallung konditioniert, dass wir selbst dann die künstlichen Meldegeräusche wahrnehmen, wenn im Umkreis von 500 m tatsächlich keine da sind. Unsere Psyche, die sich nicht ständig von Geräuschsalat auf  beklemmende Stille umstellen mag, behilft sich mit einem simplen Trick: Phantom-Klingeln. Die Steigerung davon ist Tinnitus: Sie hören immer was, können aber nicht mehr bestimmen, was Sie hören, wie lange Sie es hören und wie laut Sie es hören. Die einzige Hoffnung: Der Akku des verinnerlichten Handys gibt irgendwann seinen Geist auf.

Doch nicht nur Signaltöne, die immer ausgefallener und aufdringlicher werden, gehen auf die gereizten Nerven, nein, auch das Wortgebrabbel und Wortgefetze um uns herum: „Ja? ——— im Kühlschrank ist noch Lasagne ——————– nein, unter der Alufolie —————- meinetwegen —————– nee, bitte nicht schon wieder ———– ja, warum denn nicht ——————- kannst du mal ein bisschen lauter reden, ich versteh’ hier fast nichts ——————- in der S-Bahn —————- weiß ich nicht ————— du, ich muss jetzt Schluss machen ————– was? ——————- ich dich auch. tschüss ——- ja ——————nein ————-bis gleich. tschüss.“
Wenn Sie Pech haben, hören Sie fünf solcher geistig anregenden Gespräche parallel. Damit sollen unsere Ohren noch klarkommen? Wenn ich es recht überlege, haben es unsere Altvorderen gar nicht so schlecht gehabt. Die konnten sich von Mensch zu Mensch unterhalten, ohne Apparate! ungestört! und – man mag es gar nicht glauben – völlig kostenfrei. Die brauchten nicht mal eine Flatrate und selten zum Ohrenarzt. Man könnte glatt neidisch werden …

© phantom-as, persolog GmbH, MMIX

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