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Least but not last: Europa darf wählen – schon wieder?

Am 7. Juni dürfen wir Europäer unser Parlament wählen. Trotz Fernsehspots der Parteien und dem ehrlichen Bemühen unserer Medien, uns Bürgern die Bedeutung dieser Wahl ans Herz zu legen: So richtig gezündet hat das Ereignis noch nicht.

Gerade feiern wir mit nicht geringem Stolz sechzig Jahre Grundgesetz und damit sechzig Jahre Demokratie in unserem Land. Das ist gewiss ein würdiger Anlass und ein einmaliger in der deutschen Geschichte obendrein. Die demokratische Grundordnung hat sich bewährt, gar keine Frage. Aber wie steht es um die demokratische Reife der Bürgerinnen und Bürger? Da kann man sich des Eindrucks nicht erwehren: Die Lust an der Demokratie und am aktiven Mitgestalten weicht einem allgemeinen, gähnenden Desinteresse. Wählen? Schon wieder? Ausgerechnet an dem Wochenende, wenn der Kegelclub zum Wandern ins Elsass fährt?
Was soll dieses alberne Kreuzchenmachen, wenn alles beim Alten bleibt? Schnitzel mit Pommes oder Pommes mit Schnitzel, Jägersauce oder Zigeunersauce: Ist doch unterm Strich alles dasselbe, sind doch nur Geschmacksnuancen …
Natürlich lässt sich hinterfragen, ob es sinnvoll ist, alle möglichen Wahltermine in ein Jahr zu packen: Landtagswahlen, Bundestagswahlen, Europawahlen, Kreistagswahlen. Wenn wir uns die Spots und Plakate und „Programme“ anschauen, drängt sich die Erkenntnis auf, dass die Parteien mit so vielen Wahlen selbst ein Problem haben und einiges durcheinander bringen. Das macht es uns nicht eben einfacher. Dennoch sollten wir es nicht für einen übertriebenen Luxus unserer Gesellschaftsordnung halten, wählen gehen zu müssen oder zu dürfen.

Hier einige ermutigende Anstöße zur aktiven Beteiligung an der Demokratie:

  • Wahlen sind Weichenstellungen. Nicht wählen ist auch eine Wahl und kommt genau denen zugute, die wir auf keinen Fall wählen möchten.
  • Politisch wählen ist etwas anderes als beim Italiener unter vierundzwanzig Pizzasorten zu wählen.
  • Glauben Sie bitte nicht, dass die Kandidaten durch die Bank nur scharf auf die üppigen Diäten im Straßburger Parlament sind.
  • Sie werden am Wahltag überrascht sein, wie lang der Wahlzettel ist: Bei uns in Deutschland treten dreißig (!) Parteien zur Europawahl an. Manche davon lesen Sie vielleicht zum ersten Mal.
  • Ein genauer Blick ins Kleingedruckte der Wahlprogramme ist empfehlenswert. Die Unterschiede in Grundüberzeugungen sind gravierend. Nie hatten wir es dank Internet einfacher, genau hinzusehen.
  • Demokratie zum Nulltarif gibt es nicht. Sich informieren ist Bürgerpflicht und Nichtwissen schützt vor Dummheit nicht.
  • Alternativen zur Demokratie: Monarchie und Diktatur. Da wird nicht gewählt und da ist Hinterfragen auch nicht erwünscht, öffentlicher Protest wird knüppelfest niedergeschlagen und Widerstand mundtot gemacht, auch gerne mal ganz tot.

Also: Wir haben eine Wahl. Wer nicht wählen möchte, kann vielleicht bald auch das nicht mehr …

© phantom-as, persolog GmbH, MMIX

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