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Satire: DSDO – Deutschland sucht das Osterei

Sie ist der Deutschen beliebteste Ostertradition: Die Eiersuche. Dabei suchen wir etwas, was wir im Überfluss haben.

Vom psychologischen Urgrund der Ostereiersuche

Normal ist das ja nicht: Da suchen wir etwas, wovon wir a) mehr als genug haben und was wir b) zuvor ohne Not mühsam versteckt haben: Hühnereier. Die Frage drängt sich förmlich auf: Wofür der ganze Aufwand? Natürlich müssen die lieben (Enkel-)Kinder als erste Argumentationshilfe herhalten, wenn es um den urmenschlichen Spieltrieb geht. Verstecken – suchen – finden: ein herrlicher Dreiklang. Wenn wir Erwachsenen mit liebevoll aufmunternden Rufen: „Kalt! Noch kälter! Jetzt ein bisschen wärmer … noch wärmer … fast schon heiß“ die Bemühungen unseres Nachwuchses unterstützen und so zu Erfolgserlebnissen beitragen können, werden sentimentale Erinnerungen an fiebriges Suchen und glückliches Finden in unserer Frühzeit wach. Wir dürfen uns mal wieder Gefühlen hingeben, die sonst im ernsthaften Leben oft zu kurz kommen. Darüber hinaus empfinden wir tiefe Genugtuung beim Suchen der besten Verstecke, und wenn wir sie gefunden haben, genießen wir eine Weile das überlegene Gefühl der Wissenden. Wenn unsere Liebsten dann auf die Suche gehen, werden wir ein weiteres Mal für unsere Mühe belohnt: Entweder mit Stolz, weil unsere cleveren Kinder noch cleverer sind als wir Eltern, oder mit Erleichterung, weil eben doch (noch) nicht … Von wegen alles nur Kinderei! Die Ostereiersuche in ihrem tiefenpsychologischen Kern lässt sich nur als geistiges Kräftemessen der Generationen in einem Spiel begreifen, aus dem letztlich alle Beteiligten als Gewinner hervorgehen.

Es geht ja nicht um das Ei an sich. Kann es auch gar nicht, weil es das Ei an sich nur in der Philosophie gibt, jedoch nicht im Hühnerstall. Letztlich geht es überhaupt nicht um Eier, auch wenn die sich historisch nun mal durchgesetzt haben. Wir könnten genauso gut Müsliriegel oder Hustenbonbons verstecken, wenn nicht die Legendenbildung um neuzeitliche Naturalien erheblich schwerer wäre. Nein, wir halten den Eiern die Treue –  weil es Tradition ist. Unsere Vorfahren haben Eier versteckt, unsere Vorvorfahren auch schon, deren Ahnen auch, weil: Eier gab’s schon immer. Warum sollten wir das Rad, pardon, das Ei neu erfinden? Natürlich kann jeder verstecken, was er will, aber eines steht jetzt schon fest: Ohne Eier macht es keinen Spaß. Wir sind auf eine seltsame Art und Weise diesen ovalen, aufwendig gefärbten oder bemalten Dingern emotional verhaftet. Ich würde fast darauf wetten: Wenn Ihr Kind den MP3-Player samt Schokoladenhasen im Moosnest gefunden hat, wird es Sie enttäuscht ansehen und fragen: Und wo sind die Eier? Habt ihr keine Eier versteckt? Tradition ist eben nicht die Schrulle von ein paar Wehmütigen, die eh nicht mehr mit der Zeit mithalten können. Nein, Tradition hat eine fast mystische Sogkraft. Sie drängt uns, die Schätze der Vergangenheit immer wieder zu heben und mit in die Zukunft zu nehmen.

Frohe Ostern!

© phantom-as, MMX

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