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Satire: Stresstest für Freibäder

Das musste ja kommen. Nach Banken und AKWs stehen jetzt die Freibäder auf der Liste der Kontrolleure und werden sukzessive einem Stresstest unterzogen.

Warum? Nun, die Etats der deutschen Städte sind knapp. Weil Freibadschließungen oder besser deren Nichteröffnung angesichts der derzeitigen Temperaturen bei den Bürgern nicht besonders gut ankommt, setzen die Behörden jetzt auf das Totschlagargument Sicherheit und lassen ihre Kontrolleure ins kühle Nass abtauchen.

Und das sind die Kriterien, welche die Kontrolleure beim Stresstest für Freibäder anlegen:

1. Wasserqualität: Ganz neu und aktuell ist die Untersuchung von Wasserproben auf EHEC oder ähnlicher Krankheitserreger, die ein guter Schließungsgrund wären. Außerdem wird das im Behördenjargon Schwimmfluidum genannte Wasser auf die Aufnahmefähigkeit von Sonnenmilch untersucht, um das Entstehen einer Sonnenmilchpest zu vermeiden. Errechnet wird die Entstehung von gesundheitsgefährdenden Schmierfilmen anhand einer interesanten Formel: Die Wasseroberfläche wird mit der Oberfläche des mit Sonnenmilch eingecremten Körpers des deutschen Durchschnittsfreibadbesuchers in ein Verhältnis von 1:10 gesetzt. Hieraus errechnet sich die zulässige Besucherzahl des Freibades pro Tag.

2. Sprungtürme: Mithilfe von Dummys wird die Reaktion des menschlichen Körper beim Aufschlag auf dem Wasser bei Sprunghöhen von 10m, 5m, 3m und 1m simuliert. Dabei werden vor allem Bauchpflatscher vom 10m-Brett und Rückwärts-Salto mit Sprungbrettberührung untersucht. Je nach Gefährdungslage müssen Sprungtürme geschlossen werden.

3. Liegewiesen: Die Rasenflächen rund um die Schwimmbecken, sind von Herbst bis Frühling ein einzigartiges Rückzugsgebiet für viele bedrohte Tierarten. Besonders die von Freibadbesuchern gesonders gegängelte Freibadwespe oder die Bad-Ameise haben hier ihre Nische gefunden. Wenigestens eine Teilsperrung von ausgewiesen Liegewiesen könnte nach Überprüfung der Artendichte im Sinne des Naturschutzgesetzes notwendig sein.

4. Lärmpegel: Der Lärm im städtischen Freibad gehört zur Gruppe des Sport- und Freizeitlärms. Wäre es ein gewerblich genutzes Freibad, wäre er dem Industrie- und Gewerbelärm zuzuordnen, private Pools verursachen Nachbarschaftslärm. Der Sport- und Freizeitlärm wird in der Sportanlagenlärmschutzverordnung geregelt. Was dabei unberücksichtigt bleibt, ist die Lärmbeeinträchtigung der Freibadbenutzer durch andere Freibadbenutzer. Denn der individuelle Lärmpegel, kann an vielen Stellen des Freibades unzulässige Höchstwerde dauerhaft übersteigen. Insbesondere in der Nähe von Babybecken, Rutschen, Spielplätzen, Beach-Volleyballfeldern und ähnlichen Anlagen. Diese wären im Fall der widerholten Übertretung sofort und dauerhaft außer Betrieb zu stellen und im wahrsten Sinne des Wortes „stillzulegen“.

Falls die Kontrolleure bei ihrer Suche nach einer Begründung für die Verkürzung der Schwimmzeiten nicht erfolgreich sind, kann die Stadtverwaltung, dank des in Deutschland geltentenden Subsidiaritätsprinzips selbstverständlich noch weitere Kriterien an den Weiterbetrieb des Schwimmbades legen. Einer Endlagerung in der freien Natur steht also nichts mehr im Wege.

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