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Satire: Ups – schon wieder neue Apps!

Apps: Die Dinger boomen. Wir kommen mit dem Runter- und Nachladen gar nicht hinterher.

Vorweg: Apps ist keine gebräuchliche Abkürzung für die Einwohner des Schweizer Kantons Appenzell. Erst recht nicht für Appotheker. Deren Abkürzung lautet Apotheker.

Apps kennt heute jeder, der mit elektronischen Lebensbewältigungsgeräten wie iPod, iPhone, iPad und all ihren technischen Verwandten zu tun hat: Das sind diese netten kleinen Helferlein-Programme, die wie  Briefmarken ohne Zacken die Desktops aller Touchscreens bepflastern und zum permanenten Zeitvertreib einladen. Egal, welche App Appman/Appwoman high sensitive toucht, es geht nicht wirklich um Inhalte. Wichtig ist allein die Sammlung. Die wächst und wächst, und die eifrigen Appler verlieren dabei schnell den Überblick. Hunderte, ja, Hunderttausende von Apps, und jeder, der einen Beitrag zum Nutzen der Menschheit leisten möchte, drängt mit seinem Helfersyndrom in die Äppel-Welt. Bei meinen Briefmarken war es so, dass ich mit dem Ablösen und Einsortieren irgendwann nicht mehr hinterher kam und sie einfach in einen alten Schuhkarton gestopft habe. Mit Apps geht es einem ähnlich. Sie vermehren sich und veralten in einem Tempo, dass wir armen Konsumenten leicht schwindelig werden. Vielleicht wäre hier eine Hyper-App hilfreich, die Apps automatisch kategorisieren und zur Not auch wiederfinden kann.

Allein zu entscheiden, welche Apps mit ihrem Icon ganz nach vorne auf den Screen dürfen, ist eine schiere Überforderung. Dafür bräuchte es eine Auswahl-App, die nach frei konfigurierbaren Kriterien die Goldkörner aus dem Sand siebt. Die Wetter-App z.B. gehört zu den langweiligsten. Wofür brauche ich einen lokalen Wetterbericht? Ein Blick aus dem Fenster genügt. Doch „Weather Pro“ kann mehr: Es zeigt Ihnen die aktuelle Wetterlage von 250.000 Städten auf der ganzen Welt. Mit bis zu sieben Tagen Vorhersage. Planen Sie demnächst eine Reise nach Nowosibirsk?  „Weather Pro“ orakelt, Sie müssten sich wohl auf winterliche Temperaturen einstellen.  Längerfristig. Hätte ich jetzt auch gedacht …  Lassen wir das. Außerdem gibt es morgen bestimmt „Weather IQ“ mit zehn Tagen Vorhersage für 500.000 Orte. Mit einem Verzeichnis sämtlicher Regenschirm-Verleihe.

Etwas ganz anderes: Kennen Sie „Doodle Jump“? Nein? Ich habe gelesen, das Spiel habe Suchtcharakter. Wie gesagt, habe ich nur gelesen. Oder wie wäre es mit „iBattery Pro“? Damit Sie sehen, wie viel Saft Ihr Handy noch hat? Komisch, bereits mein erstes Handy hatte eine Ladestandsanzeige. Fast schon ein Muss ist „Call Schatzi“: Eine Herzchen-App, die Sie treu und verlässlich daran erinnert, Ihrer/-em Liebsten mal wieder eine Liebesbekundung ins Ohr zu flüstern. Mit nur einem Touch! Damit haben Sie allerdings keine Ausrede mehr …

Was mich stutzig macht: Bis vor kurzem brauchte eigentlich niemand Apps. Jetzt auf einmal kommen wir angeblich in Sachen Lebensgestaltung nicht mehr ohne sie aus. Also doch eine Art moderne Designerdroge? Wobei Drogen ja immer einen gewissen Realitätsverlust bewirken.
Apps, fürchte ich, auch. Ups, das hat jetzt hoffentlich niemand gelesen …

© phantom-as, persolog GmbH, MMX

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