Organisationen durch
Menschen entwickeln!

Zum Online-Shop

Satire: Wie winterfest ist Deutschland?

Eigentlich ist es ein ziemlich normaler Winter, doch er stellt uns vor schier übermenschliche Herausforderungen.

Deutschland im winterlichen Ausnahmezustand

Ehrlich, mit einem so heftigen Winter konnte wirklich niemand rechnen: Es schneit, landesweit! Sogar Räumfahrzeuge müssen ausrücken. Dauerhafte Temperaturen unter dem Gefrierpunkt – geradezu arktisch! Und das in Zeiten der Erderwärmung und Klimakonferenzen. Da sind wir doch zutiefst irritiert und verunsichert: Wem soll man jetzt noch glauben – den Klimaexperten oder der aktuellen Wetterlage? Wir hatten uns insgeheim darauf eingestellt, dass der meteorologische Winter bestenfalls noch in alpinen Höhenlagen stattfindet. Stattdessen verzweifelte Meldungen aus Städten und Gemeinden quer durch die Republik: Streusalz geht zur Neige, wir benötigen dringend Nachschub! Wie dringend, das kann jeder im Internet nachlesen. Alleine zum Thema „Streusalz“ ca. 112.000 Einträge innerhalb einer Woche. Von „Hilfe, wir haben keins mehr, wer hat noch welches“ bis „Hurra, wir haben eben ein paar Tonnen bekommen“ findet sich da alles. Die niederrheinische Stadt Krefeld meldet erleichtert (Quelle: RP-online), sie habe 75 Tonnen Meersalz aus Tunesien erhalten, das ließe sich mit Sand 1:1 strecken (klingt wie aus der Drogenszene, oder?) und damit sei der Winterstreudienst für drei weitere Tage sichergestellt. Drei Tage! Dann muss der Winter in Krefeld beendet sein, sonst findet dort die Apokalypse statt. Und wahrscheinlich nicht nur in Krefeld. Ob Tunesien uns flächendeckend und langfristig mit beruhigenden Mengen an Meersalz versorgen kann, ist mehr als fraglich …

Unsere Medien überbieten sich derweil mit sprachlichen Superlativen:
„Der strengste Winter seit Jahrzehnten“, „die kälteste Nacht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“, „die längste Frostperiode“, „die Region versinkt in Schnee und Eis“, „von der Außenwelt abgeschnitten“, „nichts geht mehr“, „Ausfallschäden in Milliardenhöhe“, und so weiter. Dagegen erscheinen Meldungen über finanzielle Engpässe aus den Rathäusern geradezu banal und lebensfern. Die Kämmerer von Pforzheim haben kürzlich öffentlich gemacht, im Haushalt fehlten aktuell erkleckliche einhundert Millionen Euro. Doch was ist schon diese bescheidene Summe – die Politik hat uns längst an andere Zahlen gewöhnt – gegen real fehlendes Streusalz? Warum haben sich die zuständigen Bauämter nicht besser bevorratet? Ganz einfach, wegen der allerorts fehlenden Millionen. Und weil keiner mehr ernsthaft mit einem ernsthaften Winter gerechnet hat. Da haben wir es wieder: Wenn gespart wird, dann garantiert an der falschen Stelle. Und wenn geklotzt wird auch. Wie bei den Impfdosen gegen die Schweinegrippe. Die groß angelegte Kampagne der Pharma-Industrie hat uns hierzulande doch nicht so tief beeindruckt, wie es eigentlich geplant war. Jetzt sitzen wir auf Bergen von Impfdosen, die wir uns einfach nicht spritzen lassen wollen. Vielleicht ließe sich da ein internationaler Tauschhandel einfädeln: Impfdosen gegen Streusalz. Oder wenigstens gegen Sand. Es müsste nicht gleich tunesischer Wüstensand sein, wir sind da sehr anspruchslos …

© phantom-as, MMX

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2018 persolog