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Wenn der Lotse zum Verführer wird

Das sind schon faszinierende Teile, diese Navigationsgeräte! In immer mehr Fahrzeugen sind sie standardmäßig installiert oder können als Zubehör beim Kauf geordert werden. Für alle älteren PKW-Modelle gibt es immer noch die Möglichkeit eines mobilen Gerätes mit Saugknopfbefestigung; nicht so elegant, aber darum geht’s ja auch nicht, oder? Hauptsache, die Nerven aufreibende Suche hat ein Ende, vom Herzrasen und von schweißnassen Händen beim Fahren durch fremde Innenstädte ganz abgesehen.

Wenn man früher wohin musste – meine Güte! Her mit dem obligatorischen Shell-Atlas, der schon wegen seines Eigengewichts mehrere Liter Spritverbrauch pro Jahr zusätzlich verursachte. Meistens waren diese Kartenenzyklopädien schon bei Drucklegung nicht mehr topaktuell, und dann der Maßstab: 1:200.000! Da konnten Sie gleich vom Mond aus suchen … Okay, Berlin, Hamburg, München, Köln, Ruhrgebiet hat man vielleicht noch gefunden, aber wo zum Kuckuck liegt Wittingen? Dazu noch Murphys „Atlanten“-Gesetz: Der Zielort liegt immer in der Ecke vom nächsten Kartenblatt oder im Knick …
Das ist – den Göttern sei’s gedankt! – endgültig Geschichte und existiert auch da nur noch im Anekdotenschatz. Heute funktioniert es so: Zielort eingeben, Route wird berechnet und los geht’s! Gucken Sie einfach auf das Display oder lassen Sie sich von einer freundlich-sonoren Stimme leiten; die kann allerdings auch mal energisch werden, wenn Sie eine Anweisung nicht befolgt haben: Drehen Sie bei nächster Gelegenheit um! JETZT! Schon manchem systemgläubigen Autolenker wurde dies zum Verhängnis.

Selbst wenn Sie in Geografie eine Fünf hatten, Sie finden dank Navi jeden Ort, auch Bottenhorn in Mittelhessen. Doch Vorsicht: Genau bei der Zielorteingabe lauert die Gefahr. Nicht wenige Orte, pardon, Ortsnamen gibt es in Deutschland mehrfach, Neustadt zum Beispiel. Bestätigen Sie nie in blindem Vertrauen den obersten Vorschlag, es könnte Sie etliche hundert Reisekilometer und jede Menge Ärger und Spott kosten.
Auch das europäische Ausland ist kartografisch größtenteils abgespeichert.  Achten Sie unbedingt auf die korrekte Rechtschreibung! Geben Sie beispielsweise „Strasburg“ statt „Strasbourg“ ein, landen Sie nicht im Elsass, sondern in Mecklenburg-Vorpommern. Aber das wäre Ihnen bestimmt hinter Magdeburg aufgefallen … Spaß beiseite, es gibt noch schlimmere Tücken. Nehmen wir an, Sie wollen nach England und geben „England“ ein. Ja, wer außer den Eingeborenen und einer Handvoll Touristen kann denn wissen, dass es auf Nordstrand einen Ort gibt, der so heißt! Da stehen Sie endlich an der Küste, und eine Fährverbindung gibt es auch. Leider nur bis zur Insel Pellworm, weiter Richtung England (Großbritannien) kommen Sie dann vielleicht noch mit einem kauzigen Fischer auf seinem Kutter. Bis Helgoland. Noch riskanter wird es, wenn Sie der Konfiguration „kürzester Weg“ vertrauen. Sie sind in Südeuropa, werden nachts durch einen Olivenhain gelotst und geraten unter Beschuss. Plantagenbesitzer verstehen wirklich keinen Spaß. Letzter, ultimativer Tipp für den Umgang mit Navigationsgeräten: Schalten Sie Ihren Verstand nie aus, wenn Sie Ihr Gerät einschalten. Und gucken Sie ab und an auch mal auf die Straße. Gute Fahrt!

© phantom-as, persolog GmbH, MMX

6 Antworten zu “Wenn der Lotse zum Verführer wird”

  1. Da bin ich ja froh, dass ich immer noch meinem Orientierungssinn und googlemaps vertraue. Klappt tatsächlich! in den allermeisten Fällen. Und wenn dann doch nicht, gibt es auch Wege ans Ziel zu kommen: Ich erfrage den Weg per Telefon (ja, mit meinem mobile *zwinker*) oder spreche echte Menschen an. Kleiner Tipp: Am zuverlässigsten sind Tankstellenmenschen oder Taxifahrer. Bin ich jetzt ein Dino? 😉

  2. Hallo Frau Jordan, hallo Herr Wagerecht,
    interessant wird es doch, wenn das Navi ausfällt oder nicht ordnungsgemäß oder völlig anders funktioniert, beispielsweise im Mietwagen. Durfte das schon einmal vor Jahren miterleben. Ein verzweifelter Mensch, der erst versuchte das Navi in Gang zu bekommen und als das nicht funktionierte, sich von seinem Sekretariat per Telefonstandleitung führen ließ. Und das alles obwohl er vom Flughafen nur auf die Autobahn und von der selbigen wieder runter zu einer Messe musste. Das war alles 1A-ausgeschildert.
    Realsatire pur!
    Und trotzdem gibt es Menschen, für die ein Navi Gold wert ist: nämlich diejenigen, die keine Karte lesen können – denn die können nicht einfach mal auf der Autobahn anhalten und jemanden fragen, ob Sie nun Ost, Süd, Mitte, Nord oder West rausfahren müssen … es sei denn es gerade mal wieder Stau!
    Ich wünsche viele Spaß beim Navigieren – ob nun mit oder ohne Navi!

  3. @Menschen, für die ein Navi Gold wert:
    Oja, das stimmt, lieber Herr Bischoff.

    Ich kenne auch so einen Menschen aus meinem persönlichem Umfeld. Das Witzige dabei ist, dass sie sich – trotz Navi – OFT(!) verfährt, auch auf bekannten Strecken. Sie nimmt es mit großer Gelassenheit und einer ebensolchen Portion Humor. DAS nenn‘ ich Geduld (mit sich selbst). Könnte ich mir eine Portion von abschneiden..

    Und was das „gute Ausschildern“ betrifft: Es soll Menschen geben, die Schildern nicht mehr trauen.

    Dazu fällt mir spontan das Wesen von Ampelanlagen ein: Fällt diese einmal aus, gibt es Chaos. Dabei haben wir doch alle in der Fahrschule gelernt „wie es geht“. Etwa nicht? Hier ein Musterbeispiel, wie es woanders klappt:
    http://www.youtube.com/watch?v=PcYUBz8D1ZQ

    Ihnen ebenfalls einen zielsicheren Tag.

  4. Schöner Video-Tipp. Diese Menschen scheinen ein effektives Zeitmanagement in Sachen Verkehr zu haben. So zügig sollte es mal auf meinem Weg zur Arbeit und wieder zurück gehen. Ob allerdings mein Stressmanagement für diese Art von Sichnachundnachvorwärtsdrängeln ausreichend ist, bezweifele ich.

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