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Stressmanagement des Körpers: Protein SPRED2 bremst Stress-Reaktion

Das Protein SPRED2 bremst im Körper die hormonelle Stress-Reaktion und ist damit mitverantwortlich für das Stressmanagement des Körpers. SPRED2 wurde vor ca. 10 Jahren von Wissenschaftler der Universität Würzburg aus der Arbeitsgruppe von Prof. Kai Schuh entdeckt. Seither wird die genaue Funktion des Proteins genauer untersucht, erste Ergbnisse wurden nun veröffentlicht. Anhand von Mäusen, denen das SPRED2-Gen fehlt und die es nicht bilden können, konnten Auswirkungen des Fehlens von SPRED2 nachgewiesen werden. Die Mäuse  trinken doppelt so viel wie normale Mäuse und kratzen sich extrem oft, etwa hinter den Ohren. Doch was sind die genauen Ursachen hierfür?

Unter anderem fanden die Wissenschaftler deutlich erhöhte Mengen des Stresshormons Cortison und des Hormons Aldosteron. Letzteres lässt die Salzkonzentration im Blut und damit den Blutdruck steigen. Folge: Die Mäuse trinken mehr Wasser, um das überschüssige Salz besser ausscheiden zu können. Die Untersuchungen zeigten weitere Auffälligkeiten. Die Synapsen im Gehirn schütten vermehrt Botenstoffe aus. Viel zu üppig vorhanden sind auch die Hormone CRH und ACTH, die im Gehirn und in der Hirnanhangsdrüse gebildet werden: Die beiden Botenstoffe regulieren in einer Signalkette die Produktion der Hormone Cortison und Aldosteron in der Nebennierenrinde.

Das Fazit: Fehlt im Organismus das Protein SPRED2, ist die hormonelle Signalkette Gehirn-Hirnanhangsdrüse-Nebennierenrinde viel zu stark aktiviert. Offenbar übt das Protein eine Bremswirkung auf dieses System aus, das der Organismus immer dann anwirft, wenn er körperlichen oder psychischen Stress bewältigen muss. Hormonell sind die SPRED2-freien Mäuse also auf Dauer-Stress eingestellt. Darum interpretieren die Forscher das ständige Kratzen, das sie bei den Tieren beobachten, als stressbedingte Zwangshandlung. „Die erhöhte Cortisonmenge täuscht ihnen Stress vor“, sagt  Prof. Kai Schuh. Andere denkbare Ursachen für das Kratzen, wie etwa eine Diabetes-Erkrankung, ließen sich nicht nachweisen.

Menschen krank durch defektes SPRED2?

Ohne SPRED2 entsteht ein Hormon-Überschuss mit zu viel Cortison und Aldosteron – da liegt der Gedanke nahe, dass eine Fehlfunktion dieses Gens etwas mit Bluthochdruck oder anderen Erkrankungen wie Depressionen zu tun haben könnte. „Noch kennen wir beim Menschen keine Krankheit, die mit SPRED2 in Verbindung steht“, so Professor Schuh. Doch das kann sich ändern, wie das Beispiel des nahe verwandten SPRED1-Gens zeigt: Erst kürzlich haben Genetiker erstmals nachgewiesen, dass ein Defekt an diesem Gen die alleinige Ursache für die Neurofibromatose ist, für tumorartige Wucherungen des Nervengewebes.

Quelle: „Identification of Sprouty-related protein with EVH-1 domain (SPRED) 2 as a negative regulator of the Hypothalamic-Pituitary-Adrenal (HPA) axis”, Melanie Ullrich, Karin Bundschu, Peter M. Benz, Marco Abesser, Ruth Freudinger, Tobias Fischer, Julia Ullrich, Thomas Renne, Ulrich Walter and Kai Schuh, The Journal of Biological Chemistry, Vol. 286, Issue 11, 9477-9488, March 18, 2011, DOI 10.1074/jbc.M110.171306

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